Es ist kalt in Baden-Württemberg, sehr kalt...

Es ist kalt in Baden-Württemberg, sehr kalt...

Im neuen Jahr kam es bereits am 09. Januar zur ersten Sammelabschiebung vom Baden-Airpark in die Balkanregion. Betroffen waren insgesamt 53 Personen, darunter 16 Kinder unter 14 Jahren, die fast ausschließlich Minderheit der Roma angehören. Nur wenige Tage nach Weihnachten demonstrieren Landesvater Kretschmann und seine grün-schwarze Landesregierung, wie ernst es ihnen mit der „christlichen Nächstenliebe“ tatsächlich ist. Die Schicksale, die sich aus diesen kühl kalkulierten Verwaltungsakten ergeben, zeigen erneut die Unmenschlichkeit der herrschenden Abschiebepraxis.

Aus Rottweil wurde eine fünfköpfige Familie abgeschoben. Die Tatsachen, dass der Vater an einem Hirntumor leidet und in Kürze operiert werden sollte und einer der Söhne eine geistige Behinderung hat und in Rottweil einen Arbeitsplatz in einer integrativen Werkstätte in Aussicht hatte, konnten die Entscheidung wohl nicht beeinflussen. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass beide in Mazedonien keine Chancen auf eine würdige Behandlung haben werden.

In Freiburg wurde in der Nacht eine Familie aus ihrem Leben gerissen, das sie seit Jahren führen. Den Sohn der Familie trifft die Abschiebung nur wenige Stunden vor dem Beginn seines ersten Ausbildungstags. Eine Ausbildung, die ihm für ihre Dauer einen sicheren Aufenthaltsstatus garantiert hätte. An der Unmenschlichkeit des Vorgehens ändert sich nichts dadurch, ob ein Betroffener einen Arbeitsplatz hat oder nicht, der zeitliche Zusammenhang macht aber die Schäbigkeit offensichtlich, mit der hier mit menschlichen Schicksalen gespielt wird. Die Tatsache, dass der Familie – entgegen der gesetzlichen Vorgaben – auch nach Jahren des Aufenthalts und trotz fester sozialer Strukturen die Abschiebung, die ihr gewohntes Leben beendet, nicht angekündigt wurde, zeigt eindrucksvoll die Nonchalance, mit der seitens der Bürokraten im Regierungspräsidium über ein würdiges Leben hinweggegangen wird.

Auch wenn der Einfluss der Stadt und des Gemeinderates natürlich begrenzt sind, fordern wir sie dringend auf, ihr gesamtes politisches Gewicht zu nutzen, um sich schützend vor die in Freiburg lebenden Roma zu stellen, wie es sich der Gemeinderat einst doch vollmundig vorgenommen hat.