Die Stadt Freiburg darf diesem unmenschlichen Treiben nicht einfach zuschauen

Offener Brief an OB Salomon bezüglich der Verhaftung vermeintlich Homosexueller Menschen durch das iranische Regime in Isfahan
Die Stadt Freiburg darf diesem unmenschlichen Treiben nicht einfach zuschauen

Sehr geehrter Herr Salomon
laut Berichten der Seiten queer.de, der Jerusalem Post und der NGO Iranian Railroad for Queer Refugees wurden bei einer Razzia der iranischen Revolutionsgarden im Einzugsgebiet der Stadt Isfahan am 13.04.2017 30 Männer mit brutalsten Mitteln und unter dem Einsatz von Waffengewalt verhaftet. Als Grund ihrer Verhaftung wird von den iranischen Behörden „Sodomie, der Genuss von Alkohol und psychedelischen Drogen“ angegeben, de facto besteht der Grund der Verhaftung in ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen Homosexualität.

Derzeit werden die Betroffenen im Dastgerd Gefängnis in Isfahan festgehalten, müssen menschenunwürdigen Untersuchungen über sich ergehen lassen, in welchen festgestellt werden soll, ob sie Analsex praktiziert haben, und sind der Gefahr von weiterer Folterung ausgesetzt. Außerdem wurden Sie gezwungen, den Behörden die Namen weiterer homosexuellen Menschen in ihrem Bekanntenkreis zu nennen.

Der Vorwurf der Sodomie wird im Iran unter anderem mit der Todesstrafe geahndet. In unseren Augen gibt es für das inhumane Vorgehen der isfahanischen Behörden keine Rechtfertigung. Es sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die hier in Freiburgs Partnerstadt stattfinden, und das mit dem offensichtlichem Wohlwollen der dortigen kommunalen Behörden. Die Stadt Freiburg darf diesem unmenschlichen Treiben nicht einfach zuschauen. Wir fordern, dass die Stadtspitze öffentlich und gegenüber den isfahanischen Behörden ihre Solidarität mit den Verhafteten erklärt, sich bei den isfahanischen Behörden für die sofortige Freilassung dieser Männer einsetzt und ihre klare Bereitschaft signalisiert, diese Menschen in Freiburg aufzunehmen, falls sie in ihrer Heimatstadt Isfahan nicht mehr frei von Verfolgung leben können. In Anbetracht solcher Ereignisse ist es aber auch nochmals Zeit, über die Legitimation einer solchen Städtefreundschaft nachzudenken.

Kein Mensch sollte auf Grund seiner sexuellen Präferenzen verfolgt, gefoltert oder gar getötet werden, völlig unabhängig davon ob er in Isfahan oder in Freiburg lebt. Wir bitten Sie, dass sie sich in diesem Sinne für die Freiheit der zu unrecht Inhaftierten einsetzten.

Gezeichnet:

Simon Waldenspuhl (Stadtrat)

Betty BBQ (Drag Queen)

Referat gegen Antisemitismus

Grüne Alternative Freiburg

Junges Freiburg

Linksjugend [solid] Freiburg

Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Freiburg e.V.

Deutsch-Israelischen Gesellschaft Freiburg e.V.