Morgen ist CSD // Frauennachttaxi droht Luftnummer zu werden

Unser(e) Amtsblattartikel vom 30.06.2017
Morgen ist CSD // Frauennachttaxi droht Luftnummer zu werden

Morgen ist CSD

Am 1. Juli lädt Freiburgs LSBTTIQ-Szene das vierte Jahr in Folge dazu ein, ein deutliches Zeichen für Weltoffenheit, Vielfalt, Toleranz und Lebensfreude zu setzen. Das ist gerade in Zeiten, in denen rechtes Gedankengut immer unverhohlener den Einzug in den Alltag versucht, nicht selbstverständlich, sondern mutig, selbstbewusst, und vollkommen unterstützenswert.
Um 14:00 Uhr ist Begrüßung in der Werthmannstraße, ab 15:00 Uhr startet die Parade.

Frauennachttaxi droht Luftnummer zu werden

Als unsere Fraktion am 4. April zusammen mit UL und B90/Grüne die Forderung nach einem Nachttaxi für Frauen erfolgreich in den Gemeinderat eingebracht hatte, gingen wir davon aus, dass man nun an das Konzept von 1991-2003 anknüpfen würde. Schließlich war dies ein gerne genutztes Angebot: Das Taxi konnte individuell gerufen werden, und Nutzerinnen wurden für einen moderaten Preis von 3 EUR (bei 5 km, 4 EUR bis zu 10 km Distanz, darüber 6 EUR) bis vor die Haustüre gefahren, flexibel und preiswert. Leider wird die Neuauflage wohl nicht in dieser Kontinuität stehen. Die Eckdaten der beschlossenen Vorlage sehen feste Zustiegspunkte (vrstl. nur Siegesdenkmal) und einen Preis von 7-8 EUR pro Person vor. Begründet wird das Ganze mit der Furcht vor ausufernden Kosten und einem „Kannibalisierungseffekt“. Demnach könne die Inanspruchnahme des Nachttaxis zu Lasten des Nachtverkehrsangebotes der VAG gehen. Diese hätte damit Einnahmeausfälle zu befürchten, sollte das Angebot des Frauennachttaxi zu attraktiv sein. Wir halten dies für eine unseriöse Argumentation. Der Wunsch nach Wiedereinführung kam auf, da das Angebot der VAG als nicht ausreichend empfunden wird. Das Angebot nur dann erweitern zu wollen, wenn es das Bestehende nicht beeinträchtigt, entzieht sich jeder Logik. Frauen sollen das Nachttaxi nutzen, dadurch wird der VAG die ein oder andere Kundin ausbleiben. Und nun? Es handelt sich um eine Aufwendung, um Frauen die angstfreie Teilhabe am Nachtleben zu ermöglichen. Diese wird sich marktwirtschaftlich nicht rechnen. Muss sie auch gar nicht. Dafür gibt es die öffentliche Hand.
8 EUR sind gerade für junge Leute viel Geld. Wenn dann erst noch der Weg zum Zustiegspunkt selbst bestritten werden soll, sei es zu Fuß durch die schlecht ausgeleuchtete Innenstadt oder über eine selbst finanzierte Straßenbahnfahrt, wird das Konzept hochgradig unattraktiv. Wir hoffen daher dringend auf Nachbesserung.