Gedenkkultur gibt es nicht zum Nulltarif

Unser Amtsblattartikel vom 29.09.2017
Gedenkkultur gibt es nicht zum Nulltarif

Der Platz der alten Synagoge ist ein zentraler Punkt in der Erinnerungs- und Gedenkkultur Freiburgs. Der Umgang der Stadtverwaltung mit den Funden der Mauerreste des zerstörten Gotteshauses, die zunächst mangelnde Einbeziehung der jüdischen Gemeinden Freiburgs, die Eröffnung des Platzes am Schabbat und die aktuelle Gestaltung des Mahnmals lässt den Betrachter zweifeln, ob es hier nicht an der nötigen Sensibilität gegenüber dem jüdischen Erbe in Freiburg mangelt. Dass Bürgermeister Salomon nach harscher Kritik aus dem Gemeinderat schnell ankündigt, die Stadtverwaltung habe beschlossen eine provisorische Gedenktafel anzubringen, kann daran kaum etwas ändern.

Dass nun ein Stück mehr an die Geschichte des Platzes erinnert wird, ist erfreulich, dieses Provisorium darf aber nicht zum Dauerzustand werden. Ebenso darf jetzt aber auch keine übereilte Lösung präsentiert werden, nur um über die bisherigen Versäumnisse hinwegzutäuschen. Dass der Brunnen von den Menschen nun genutzt wird, wie es geschieht, kann man diesen nicht vorwerfen. Die Gestaltung des Brunnens, der sich – durchaus ästhetisch – in den Platz einfügt, anstatt einen gewissen Bruch zu erzeugen, lädt dazu ein, ihn bei warmen Temperaturen als Planschbecken und Kühlschrank zu benutzen, was auch abzusehen gewesen wäre. Nur durch eine zusätzliche Informationstafel wird sich kein mahnender Charakter des Platzes erreichen lassen. Man sollte darüber nachdenken, ob nicht andernorts ein alternatives Mahnmal, beziehungsweise Erinnerungs- und Dokumentationszentrum geschaffen werden sollte, um auf angemessene Weise auch mit den dunklen Seiten der Freiburger Geschichte umgehen zu können. In Zeiten eines zunehmenden Rechtsrucks in der Gesellschaft, der – nicht erst seit der jüngsten Bundestagswahl - dabei ist, völkisches und antisemitisches Denken wieder salonfähig zu machen, muss sich die Stadt ihrer Verantwortung bewusst sein, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Hierfür muss auch Geld zur Verfügung gestellt werden. Wer echte Erinnerungs- und Gedenkkultur möchte, muss auch die Bedingungen schaffen, dass diese gelebt und erfahren werden kann. Zum Nulltarif wird das nicht möglich sein.