Ein Nachttaxi, das den Namen nicht verdient

JPG-Amtsblattartikel vom 10.11.2017
Ein Nachttaxi, das den Namen nicht verdient

Als im Juni die Einführung eines Frauennachttaxis beschlossen wurde hielten wir es für eine sehr gute Nachricht. Das Konzept, das nun von der Stadt vorgelegt wurde, lässt uns allerdings leider sehr daran zweifeln, dass sich damit ein großer Sicherheitsgewinn erzielen lässt. Wenn es nach den Wünschen der Stadt geht, werden die Taxis nicht bestellbar sein, sondern nur an einem zentralem Anfahrtsort am Siegesdenkmal und bis zur Beendigung der dortigen Bauarbeiten in der wenig hellen und einladenden „Auf der Zinnen“-Gasse auf ihre Nutzerinnen warten. Für diejenigen, die ihren Abend nicht gerade in der Innenstadt verbringen, bringt das Taxi also überhaupt keinen Fortschritt mit sich. Wer Nachts zunächst vom Waldsee, aus einem der Studierendenwohnheime oder einem der Clubs im Stühlinger an das Siegesdenkmal gelangen muss, kann dann genau so gut auch die direkt den Heimweg antreten.

Ebenso enttäuscht uns der geplante Fahrpreis von 7 € pro Frau und Fahrt. Das Subventionierte Nachttaxi soll gerade auch Frauen mit eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten die Gelegenheit geben, sich nachts sicher durch die Stadt zu bewegen. Mit einem so hohen Fahrpreis wird sich dies auf keinen Fall gewährleisten lassen. Auch wer es sich leisten kann die 7 € zu bezahlen, hat sich besser nicht für einen spontanen Ausflug entschieden. Die Tickets für das Taxi lassen sich nämlich weder bei den FahrerInnen, noch beim Automaten erwerben, sondern müssen im Vornherein bei der VAG oder online gekauft werden. Die geschätzten Kosten von 7.000-10.000 € für die Umrüstung der Automaten ist der Stadt wohl eine zu große Investition.

Insgesamt stellt sich das Konzept zum Nachttaxi als reiner Blender heraus. Es soll gut klingen und möglichst effektiv den Eindruck erwecken, dass der Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung etwas für die Sicherheit von Frauen tun, entscheidet sich aber dafür an allen falschen Enden zu sparen und verfehlt seinen eigentlichen Sinn dadurch völlig und verkommt zum reinen PR-Instrument.