Kostenloser ÖPNV – eine Schnapsidee?

Unser Amtsblattartikel vom 02.03.2018
Kostenloser ÖPNV – eine Schnapsidee?

In den letzten Wochen sind – angeschoben durch Äußerungen aus Berlin – bundesweit Diskussionen um einen kostenfreien öffentlichen Nahverkehr entbrannt. Oberbürgermeister Salomon hat nicht gezögert eine starke Meinung zu präsentieren und die Vision eines für die NutzerInnen kostenfreien ÖPNVs umgehend als Schnapsidee abgetan. Das sehen wir anders. In Zeiten des Klimawandels, zunehmender Smogglocken über Innenstädten und – wie diese Woche gerichtlich bestätigt – möglichen Fahrverboten für Dieselfahrzeuge, müssen die Kommunen alles daran setzen, den Nahverkehr so niederschwellig und attraktiv wie möglich zu gestalten, um ihn zu einer noch besseren Alternative zum Auto zu machen. Dazu gehört es, die Abdeckung weiter auszubauen oder beispielsweise an Haltestellen – auch im Umland – genügend Fahrradabstellplätze zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört aber mindestens so sehr, ihn möglichst günstig anzubieten. Dass dieser Gedanke gerade einem grünen OB derart absurd erscheint, zeigt erneut deutlich, wie ernst es Salomon mit der Green City in Wirklichkeit ist.

Uns ist natürlich klar, dass es sich beim fahrscheinlosen ÖPNV nicht um ein kurzfristiges Projekt handelt, sondern dieser eher eine Vision für Freiburgs Zukunft darstellt. Dennoch müssen die Wege hin zu dieser Vision jetzt schon eingeschlagen werden, anstatt die Kosten für die NutzerInnen immer weiter zu erhöhen. Wichtige Schritte in diese Richtung sind das Sozialticket, das weiter ausgebaut und günstiger gemacht werden muss, und das Kurzstreckenticket, das wir so schnell wie möglich einführen wollen.

Natürlich wird der ÖPNV für die Kommunen auch in Zukunft Kosten bedeuten. Zwar lassen sich nicht zu unterschätzende Kosten einsparen, wenn das Kontroll- und Bestrafungssystem für Schwarzfahrer nicht mehr gebraucht wird, aber es ist und bleibt auch eine Frage der kommunalen Prioritäten. Wer dies bezweifelt, muss sich nur einmal anschauen, wie viel kommunales Geld für die Infrastruktur investiert wird, die Autos benötigen.