Wir müssen die besten Bedingungen für glückliche Biographien schaffen

Monikas Rede zum 4. Freiburger Bildungsbericht
Wir müssen die besten Bedingungen für glückliche Biographien schaffen

Herr Oberbürgermeister, 
Frau Bürgermeisterin Stuchlik, 
liebe Anwesende,

 

wieder einmal sind viele Daten und Fakten im Bericht zum Teil schon fast versteckt, bei den vielen Seiten, die er umfasst.

Diese Daten sollen uns wertvolle Hinweise für die weitere Entwicklung der Bildungslandschaft in Freiburg geben.

Leider können dies nicht alle Daten tun, zum Teil, weil sie uns eigentlich fehlen, so dass wir mit oberflächlicheren Erhebungen zu tun haben, als es sinnvoll wäre.

Zum Teil aber auch, weil wir immer noch mit verschiedenen Zahlen und Zuschreibungen arbeiten. Im Bereich Migrationshintergrund gibt es beispielsweise die offizielle Landesstatistik, die nur den Pass betrachtet und die viel genauere städtische Statistik, die wir leider bisher nur begrenzt haben, die tatsächlich den Migrationshintergrund betrachtet.

Viel wichtiger wären aber die sozialräumlichen Daten, die wir gut brauchen könnten, um den Zusammenhang von Armut und Bildungschancen zu verdeutlichen, oder andere Daten, die uns Aufschluss über die Bildungschancen von Kindern geben können. Herr Bock hat in diesem Zusammenhang zu Recht auf den Zusammenhang von nonformaler Bildung und formaler Bildung hingewiesen.

Wir sind auf das Ergebnis der Befassung mit unserem interfraktionellen Ergänzungsantrag sehr gespannt. Es würde sich sicher lohnen, diese Daten zu erheben, wenn wir ernsthaft schauen wollen, mit welchen Instrumenten wir die Chancengerechtigkeit in Freiburg verbessern können.

Herr Bock hat bereits auf die bauliche Situation in unseren Freiburger Schulen hingewiesen. Er lobte, was die Stadt bereits tut. Gleichzeitig müssen wir aber anerkennen, dass wir immer noch in einer Stadt leben, in der in vielen Schulen die Toiletten so marode sind, dass die Kinder und Jugendlichen vorsichtshalber wenig oder gar nicht trinken, damit sie sie nicht benutzen müssen. Dies ist beschämend – finde ich –  und sollte sich schleunigst ändern. Die Sanierung der Toiletten in 5 Schulen pro Jahr darf uns nicht ausreichen. Wir müssen schnellstmöglich alle soweit in Schuss bringen, dass alle Kinder und Jugendlichen in der Schule die Toiletten benutzen können!

Erfreulich sind Erfolge, die sich im Bildungsbericht finden, wenn wir die richtigen Instrumente gefunden haben, um Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg ins selbstbestimmte Leben zu begleiten und zu fördern. Bei diesen Erfolgen muss ich den Gemeinderat loben, weil wir bei Bildungsthemen – anders als bei vielen anderen – sehr an einem Strang ziehen. Natürlich muss ich auch die Verwaltung loben, die umsetzt, was der Gemeinderat bewilligt und beschließt.
In Bezug auf die Schulwechsel der Schüler*innen unter den verschiedenen Schularten hat Herr Schillinger bereits hingewiesen, dass diese im Zusammenhang mit den Übergangsquoten auf die weiterführenden Schulen genau betrachtet werden müssen. Ich weise auch immer wieder darauf hin, dass nicht der Übergang in die 5. Klasse in unserem Fokus liegen sollte, sondern wie und ob die Schüler*innen glücklich und erfolgreich auf den entsprechenden Schulen bleiben können und dort einen entsprechenden Abschluss erreichen. Alles andere ist Kosmetik für irgendwelche Statistiken – und sorgt nicht für glückliche Biographien!

Frau Stuchlik hat vorhin schon darauf hingewiesen, dass wir in Freiburg in vorbildlicher Weise geschafft haben, die geflüchteten Kinder und Jugendlichen in unsere Schulen aufzunehmen. Dabei möchte ich ihr Recht geben und allen Beteiligten dafür danke sagen. So schnell wie irgend möglich hatten alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, so einen einigermaßen geregelten Alltag zu erleben und Deutsch zu erlernen.

Einen Erfolg möchte ich, wie es Frau Stuchlik bereits getan hat, exemplarisch nennen – ein Erfolg ist zweifelsohne das Projekt Erfolgreich in Ausbildung, das Berufsorientierung an den Werkrealschulen noch einmal ganz besonders verstärkt und verankert hat. Es muss auf alle Fälle weitergeführt werden, auch wenn es bald nur noch zwei Werkrealschulen gibt, an denen es umgesetzt wird. Die SchülerInnen brauchen es!

Natürlich müssen wir dabei im Blick behalten, was nach Abbruch der Ausbildung geschieht. Allerdings haben wir in den Diskussionen der Vorberatung schon erfahren, dass nicht ganz klar ist, wie viele tatsächlich aus dem Ausbildungssystem herausgefallen sind, wie viele nur die Ausbildungsstelle gewechselt haben und wie viele einen anderen Weg – zum Beispiel dann doch eine weiterführende Schule – eingeschlagen haben. Hierzu brauchen wir bitte genaue Zahlen!
Bei diesem Thema muss ich aber noch erwähnen, dass ich mir sehr wünschen würde, dass wir weder in Vorlagen noch sonst als Stadt Freiburg Fehlinformationen wie die Folgende veröffentlichen: 

Ich zitiere aus Seite 5 der Vorlage: Der Trend zu einem höherwertigen Bildungsabschluss
führt dazu, dass der mittlere Schulabschluss zur Voraussetzung für eine Ausbildung im dualen System oder in der vollqualifizierten Ausbildung im Schulberufssystem geworden ist.
Der Mittlere Bildungsabschluss ist sicherlich nicht zur Voraussetzung geworden. Der Hauptschulabschluss ist die Voraussetzung für eine Ausbildung im dualen System. Es gibt unbestreitbar sehr viele Betriebe, die nur noch SchülerInnen mit Mittlerem Bildungsabschluss als Azubis nehmen wollen – aber es ist keine feststehende Regelung, wie der Absatz aus der Vorlage uns vorgaukelt. Wir müssen unbedingt dafür sorgen, dass von Verwaltungsseite durch solche unbedachten Formulierungen keine Verunsicherungen gesät werden. Daher bitte ich darum, dass solche Fehlinformationen in Zukunft unbedingt ausbleiben!

Gelingende Übergänge sind sowieso ein Stichwort, dem wir noch viel Aufmerksamkeit widmen sollten. Kommen wir zur Sprachförderung, die für mich etwas mit gelingenden Übergängen in Kindertagesbetreuung und Grundschule – aber auch den weiterführenden Schulen und den Bildungschancen generell zu tun hat. Der Gemeinderat hatte beim letzten Bildungsbericht klar erkannt, dass Sprachförderung ein sehr wichtiges Thema ist, an dem das Gelingen oder Nichtgelingen der Schulkarrieren von Kindern hängt.

Wir müssen leider bemerken, dass die bisher getroffenen Maßnahmen entweder die falschen sind oder zumindest nicht zu dem Erfolg führen, den die Kinder bräuchten, um gut ins Schulleben und in das Leben nach der Schule starten zu können. Hier brauchen wir dringend und schnell ein Konzept, wie wir die Sprachförderung erfolgreicher etablieren können. So darf es nicht weitergehen! Wir dürfen nicht zuschauen, wie vielen Kindern und Jugendlichen die Chancen nicht eröffnet werden, die sie haben könnten, wenn wir eine gute Förderung installieren könnten.
Daher möchte ich energisch darum bitten, dass wir in den Fachausschüssen schon sehr bald das bisherige Sprachförderungskonzept inhaltlich auf den Prüfstand stellen und ein schlüssiges und zukunftsweisendes Konzept beschließen. Dies sind wir den Kindern dieser Stadt schuldig.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.