Musikzentrale am Güterbahnhof

Amtsblattartikel
Musikzentrale am Güterbahnhof

Der Proberraummangel in Freiburg ist seit Jahrzehnten ein bekanntes Problem - nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

Wir begrüßen den Vorstoß von Multicore, welche in unmittelbarer Nähe zur Lokhalle eine Musikzentrale errichten möchten. Dabei betont der Verein zurecht, dass sich popkulturelle Förderstrukturen nicht in der bloßen Schaffung von Übungsräumen erschöpfen. Es geht um Auftrittsmöglichkeiten, einen Treffpunkt für Musikschaffende, ein gemeinnütziges Tonstudio, eine Künstler*innenwohnung zur bezahlbaren Unterbringung von Nachwuchsbands auf Tour, sowie Fortbildungs- und Mobilitätsangebote.

Dass dies durch einen Neubau realisiert werden soll, macht es zu einem Pionierprojekt. Womöglich sehen wir bald die technisch bzw. akustisch besten Proberäume Süddeutschlands dort verwirklicht. Noch wichtiger ist uns jedoch deren Bezahlbarkeit. Eine Finanzierung über einen Privatinvestor halten wir für den falschen Weg. Kultur gehört in die öffentliche Hand, dazu zählen wir selbstverständlich auch die Popkultur.

Für eine Realisierung durch die öffentliche Hand wurden nach letzten Informationen bereits erste Weichen gestellt. Es soll ein Testentwurf entstehen, in welchem neben den popkulturellen Förderstrukturen weitere Nutzungen im Gebäude untergebracht werden sollen. Darunter ein Bolzplatz auf dem Dach, Räume für den Quartierstreff, ein Büro für den Bürgerverein, sowie eine Nutzung des Veranstaltungsraumes als quasi „Bürgerhaus“.

Wir fürchten, dass diese Zusammenlegung eine Überfrachtung des Projektes bedeuten könnte. Idealerweise sollten alle Gruppen ihre eigenen Einrichtungen erhalten. Eine solche Kompression von Interessen ist letztlich als Kürzungspolitik zu verstehen. Insbesondere der Bolzplatz auf dem Dach könnte für die Nutzer*innen unattraktiv erscheinen. Wir bevorzugen eine Entflechtung der verschiedenen Anliegen, insbesondere der Bolzplatz sollte ebenerdig zugänglich an anderer Stelle errichtet werden.

Die Nähe der Musikzentrale zur Lokhalle, sowie zum Messegelände sehen wir hingegen als großen Pluspunkt. Zusammen bilden diese Einrichtungen eine Kultur- und Kreativspange. Insgesamt handelt es sich bei diesem Projekt um eine überfällige kulturelle Kompensationsmaßnahme am richtigen Ort. Wir freuen uns über das Engagement und wünschen Multicore viel Erfolg für die angestrebte Eröffnung zum Stadtjubiläum 2020.