Mit Steinen gegen Menschen

Amtsblattartikel vom 14.09.2018
Mit Steinen gegen Menschen

Ende Juni ließ die Stadtverwaltung das flache Pflaster unter der Oberaubrücke entfernen und dort große und spitze Steine in unterschiedlichen Höhen setzen. Unsere Anfrage ergab, dass das Ziel der Bauarbeiten tatsächlich ausschließlich darin bestand, „die Einrichtung neuer Lagerplätze an dieser Stelle unattraktiv zu machen“. Zuvor hatte das AföO bereits mehrfach Menschen, die dort einen Schlafplatz gefunden hatten, und ihre Habseligkeiten räumen lassen. Davon zu sprechen, den Ort so nun unattraktiv machen zu wollen, stellt eine massive Beschönigung dar, erhofft sich die Verwaltung von der Maßnahme doch, obdachlose Menschen nun endgültig von einem weiteren sicheren Lagerplatz zu vertreiben.

Obdachlosigkeit bringt für Betroffene viele und teilweise lebensbedrohliche Risiken mit sich. Wer obdachlose Menschen immer weiter an die Ränder der Stadt treibt und Orte, die ein gemeinsames Schlafen ermöglichen würden, zerstört, trägt aktiv dazu bei, diese Risiken weiter zu vergrößern.

Wir sind fassungslos, wie eigenmächtig die Stadt hier gegen Menschen vorgeht. Freiburg preist sich stets als offene und liberale Stadt. So ein gezieltes Vorgehen gegen obdachlose BürgerInnen passt nicht in dieses Bild. Für uns ist völlig unverständlich, dass eine Maßnahme mit so weitreichenden Konsequenzen für Bürgerinnen und Bürger Freiburgs nicht vorher dem Gemeinderat vorgelegt, oder zumindest im Sozialausschusses diskutiert wurde. Dort wäre es aber wohl schwierig geworden, eine politische Mehrheit für dieses Vorgehen zu finden. Abgestimmt wurde die Maßnahme lediglich im Arbeitskreis „Interessenkonflikte im öffentlichen Raum“, der sich unter anderem aus der Polizei, dem GuT und dem AföO zusammensetzt.

Wir erwarten, dass die baulichen Maßnahmen umgehend rückgängig gemacht werden und in Zukunft keine so weitreichenden Entscheidungen ohne Einbeziehung des Gemeinderats getroffen werden.

Fassungslos machen uns aber auch einige Kommentare, die sich in den sozialen Medien zu diesem Thema finden. Wer versucht es so darzustellen, als bestünde der Grund für dieses Vorgehen in der Aufnahme Geflüchteter, ist offensichtlich nicht wirklich daran interessiert, die Bedingungen für obdachlose Menschen zu verbessern, sondern ausschließlich daran, das eigene Weltbild zu bestätigen.