Schulsanierung darf sich nicht nach Denkmalpflege richten

Amtsblattartikel vom 12.10.2018
Schulsanierung darf sich nicht nach Denkmalpflege richten

Auf Druck eines geschlossen stehenden Gemeinderats wurde die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Sanierung des Westflügels des Lycée Turenne beschlossen. Die JPG-Fraktion setzt sich, wo sie kann, für die Sanierung von Schulgebäuden ein – und das war auch in diesem Fall nicht anders. Dennoch sind die Sorgen der Verwaltung berechtigt, angesichts der Vielzahl anstehender Bauprojekte jetzt ein weiteres anzugehen. Die bereits teure Machbarkeitsstudie wird vermutlich nicht zu dem Ergebnis kommen, dass die Sanierung des Westflügels ein Schnäppchen wird.

Da wir die Ansicht vertreten, dass Schulsanierungen nicht der Posten sind, an dem gespart werden darf, ist der kritische Punkt in dieser Debatte, ob das Personal im Baudezernat ausreichend ist, um die Vielzahl an Sanierungen und Neubauten in den kommenden Haushalten zu stemmen.

Der Westflügel des Lycée Turenne ist für viele GemeinderätInnen mehr als nur eine Schulsanierung, denn sie erhält auch ein historisches Gebäude, weshalb diese Debatte auch eine Debatte über Denkmalpflege ist. Gleichzeitig bedeutet das, dass die Sanierung nicht mehr eine rein pragmatische Handlung darstellt, da sie in einer Kosten-Nutzen-Rechnung deutlich mehr Investitionen bedarf, als bei klassischen Schulsanierungen, wie sie bereits geplant sind. Eine Priorisierung des Lycée Turenne darf deshalb unsres Erachtens nicht zum Nachteil anderer Schulgebäude werden.

Auch sollte sich der Gemeinderat nicht auf dieser Machbarkeitsstudie ausruhen. Wer bereit ist, das Geld für die Machbarkeitsstudie auszugeben, muss auch bereit sein, im Falle eines positiven Befunds das Geld für die Sanierung in den kommenden Haushalten einzustellen. Die Halbwertszeit einer Machbarkeitsstudie in einem verfallenden Gebäude ist schwer einzuschätzen, und eine Studie, die wir 2019 machen, ist 2025 vielleicht schon wieder wertlos.

Kommt es zur Sanierung, muss der Mutterbrunnen auf dem Vorplatz ersetzt werden. Die patriarchische Darstellung der Mutter steht bisher ohne Hinweistafel vor dem Lycée Turenne und propagiert ein Mutterbild, wie es von den Nationalsozialisten idealisiert wurde. Möglicherweise kann die Demontage und Neugestaltung des Brunnens schon in die Machbarkeitsstudie mit aufgenommen werden.

JPG-Amtsblattartikel von Freitag, den 12.10.2018. Die gesamte Ausgabe als .pdf gibt’s hier. Das Amtsblatt erscheint 14-tägig, immer freitags. Online gibt’s die jeweilige Ausgabe sogar bereits Donnerstagabend. Einfach auf der städtischen Homepage freiburg.de/amtsblatt vorbeischauen.