Antisemitismus - pädagogische Stadtführungen zum Thema kommt

Pressemitteilung vom 07.12.2018
Antisemitismus - pädagogische Stadtführungen zum Thema kommt

Initiiert durch einen Haushaltsantrag unserer Fraktion, der dankenswerterweise einer Mehrheit aus Grünen, SPD und UL im Stadtrat folgte, will die Stadt nun gegen Antisemitismus im Schulkontext vorgehen. Wir hatten für den Doppelhaushalt 2017/18 vorgeschlagen, dass man Freiburger SchülerInnen gezielt die Funktionsweise von Antisemitismus aufzeigt, indem man sie auf eine Spurensuche für jüdische und antisemitische Geschichte in unserer Stadt schickt. Ein solches Konzept hat die Stadtverwaltung nun ausgearbeitet und wurde am Montag im Hauptausschuss beschlossen.

Die weitverbreitete Annahme, Antisemitismus sei ein Problem, welches explizit jüdischen Schüler*innen in Freiburg zum Verhängnis wird, ist falsch. „Du Jude“ ist als Schimpfort im Sprachgebrauch auch auf Freiburger Schulhöfen längst wieder allgegenwärtig.

Dazu JPG-Stadtrat Sergio Schmidt: „Diese Beschimpfung kann jede/n treffen. Antisemitismus, gerade im Schulkonzept, ist oft Teil von alltäglichen Mobbingerfahrungen vieler nichtjüdischer Schüler*innen."

Antisemitismus funktioniert nur mit Verschwörungsglauben und wurde schon immer benutzt, um gesellschaftlichen Fortschritt zu diskreditieren. So wurden Juden von den antisemitischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts für den Sieg des Bolschewismus bzw. der Sozialdemokratie ebenso verantwortlich gemacht, wie für den freien Markt oder die bürgerliche Demokratie.

JPG-Stadtrat Simon Waldenspuhl ergänzt: „Der Glaube, hinter gesellschaftlichen Entwicklungen stecke eine kleine, verschworene Anzahl von Personen, ist weit verbreitet, mit antisemitischem Denken untrennbar verknüpft und Fundament für antidemokratische Einstellungen. Der Kampf gegen Antisemitismus ist somit immer auch ein Kampf für eine offene und liberale Gesellschaft.“

Moderne Antisemiten benutzen oft den Staat Israel als Projektionsfläche für ihr Ressentiment. Gerade auch in muslimischen Communities ist dieses weit verbreitet. So wird gerne behauptet, Israel stecke hinter dem IS, würde gezielt palästinensische Kinder töten oder das Wasser der Region vergiften. JPG-Stadtrat Simon Waldenspuhl konstatiert:

„Das hat mit Kritik an der Politik des jüdischen Staates nicht zu tun, sondern das sind aufgewärmte altbekannte antisemitische Legenden“

Mit Stadtführungen, die sich ausschließlich dem Phänomen Antisemitismus widmen, ist Freiburg die erste Stadt der Bundesrepublik, die ein solches Programm auf den Weg bringt. Wir hoffen, dass sich viele Freiburger Klassen aller Schulen, auch Integrationsklassen, an den Stadtführungen beteiligen. 

Monika Stein, stellvertretende Vorsitzende der JPG-Fraktion, fügt an: „Dies ist ein wichtiger Schritt, um den steigenden Antisemitismus einzudämmen. Bei Schüler*innen aller Schulen anzusetzen ist hier wichtig, denn was sie verstehen, geht nicht mehr verloren.“