Ein altes Problem beschäftigt uns noch immer: Antisemitismus

Unser Amtsblattartikel vom 07.12.2018
Ein altes Problem beschäftigt uns noch immer: Antisemitismus

Sein Auftreten hat sich geändert, aber die Inhalte sind immer noch die Gleichen. Waren „die Juden“ früher verantwortlich für Wucher, gilt „du Jude“ heute immer noch als Schimpfwort für Schüler, die nicht bereit sind ihren FreundInnen finanziell auszuhelfen.

Die Annahme Antisemitismus sei ein Problem, welches explizit jüdischen SchülerInnen in Freiburg zum Verhängnis wird, ist falsch. „Du Jude“ als Schimpfort kann jede/n treffen.
Antisemitismus ist oft Teil von alltäglichen Mobbingerfahrungen vieler nichtjüdischer SchülerInnen. Auch in den höheren Klassen ist Antisemitismus spätestens im Geschichte- und Gemeindschaftskundeunterricht ein Problem.

Antisemitismus funktioniert nur mit Verschwörungsglauben und wurde schon immer benutzt, um Fortschritt zu diskreditieren. So wurden Juden von den antisemitischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts für den Sieg des Bolschewismus ebenso verantwortlich gemacht, wie für den Freien Markt oder die bürgerliche Demokratie. Der Glaube, hinter den Begebenheit der Welt stecke ein kleine Anzahl von Personen, ist weit verbreitet, mit antisemitischem Denken untrennbar verknüpft und Fundament für antidemokratische Einstellungen. Der Kampf gegen Antisemitismus ist somit immer auch ein Kampf für eine offene und liberale Gesellschaft.

Moderne Antisemiten benutzen oft den Staat Israel als Projektionsfläche für ihre Ressentiments. Gerade auch in muslimischen Communities sind diese weit verbreitet. So wird gerne behauptet, Israel stecke hinter dem IS, töte palästinensiche Kinder oder vergifte das Wasser der Region. Das sind keine Kritiken an der Politik des jüdischen Staates, sondern aufgewärmte antisemitische Legenden.

Initiiert durch einen Haushaltsantrag unserer Fraktion, dem eine Mehrheit aus Grünen, SPD und UL folgte, will die Stadt nun gegen diesen alten Ungeist vorgehen. Wir hatten vorgeschlagen, dass man Freiburger SchülerInnen gezielt die Funktionsweise von Antisemitismus aufzeigt, indem man sie auf eine Spurensuche für die jüdische und antisemitische Geschichte unserer Stadt schickt. Ein solches Konzept hat die Stadtverwaltung nun ausgearbeitet.

Bei SchülerInnen aller Schulen anzusetzen ist hier wichtig, denn diese wiederholen oft nur das, was sie zuhause vorgekaut bekommen.

Damit hat Freiburg als erste deutsche Stadt, die ein solches Programm. Wir hoffen, dass sich viele Klassen aller Schulen, an den Stadtführungen beteiligen.