Ziel muss es sein, dass möglichst viele Menschen das Auto stehen lassen

Monika Steins Rede zur Einführung eines Kurzstreckentarifs im Gemeinderat vom 11.12.2018
Ziel muss es sein, dass möglichst viele Menschen das Auto stehen lassen

Herr Oberbürgermeister,

liebe Anwesende,

schon lange warten Menschen, die sich in Freiburg bewegen, auf das Kurzstreckenticket.
Seien es ältere Menschen oder Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder sei das Wetter beteiligt – viele wollen beispielsweise vom Hauptbahnhof zum Bertoldsbrunnen oder auch von Günterstal Richtung Wiehre nur für wenige Stationen fahren. Für diese Menschen sind derzeit 2,30€ für Einzelfahrten eine Hürde, die eventuell von der Benutzung der Straßenbahn oder Busse abhält – oft wird dann doch lieber das Auto genommen.

Unser Ziel aber muss es sein – wir werden im Lauf der Debatte heute noch das ein oder andere Mal dazu kommen –, dass möglichst viele Menschen das Auto stehen lassen, sich kein Carsharing-Auto ausleihen oder sogar ihr eigenes Auto abschaffen. Dies werden sie nur tun, wenn die Alternativen deutlich attraktiver sind als die Autobenutzung.

Solange Kurzstreckenfahrten mit Autos schneller und / oder billiger sind als mit Straßenbahn oder Bus, werden Menschen auch in Freiburg das Auto bevorzugen.

Wir wollen aber, dass nur Fahrten, die nicht anders möglich sind, weil es organisatorisch nicht anders geht oder weil andere Sachzwänge gelten, mit dem PKW erledigt werden innerhalb Freiburgs.

Da wir dies wollen, ist es der einzig richtige Weg, verschiedene Formen der ÖPNV-Nutzung attraktiver zu machen. Dass dazu auch das Kurzstreckenticket beitragen kann, haben wohl alle während des OB-Wahlkampfes mitbekommen, war es doch sehr oft Thema und wurde gründlich diskutiert.

Wir begrüßen daher die Vorlage, die den ersten Schritt in die richtige Richtung darstellt und freuen uns, dass unser interfraktioneller Prüfauftrag übernommen wurde. Wir lassen überprüfen, wieviel die Ausdehnung der Kurzstrecke von 3 auf 4 Stationen kosten würde. Je nachdem, was bei dieser Prüfung herauskommt, lohnen sich die weiteren Verhandlungen dann – um möglichst noch mehr Menschen von der VAG zu überzeugen!

Wir wollen uns nicht vom Umland weiter bremsen lassen – beim Sozialticket wurden wir gebremst von den Umlandgemeinden, beim Kurzstreckenticket war Begeisterung auch nicht zu merken. Freiburg geht voran bei innovativen Konzepten des ÖPNV. Es wäre gut, wenn das Umland weniger bremsen würde und wir uns nicht weiter ausbremsen lassen würden.

Selbstverständlich darf dies nicht der letzte Schritt sein. Unsere Fraktion ist immer noch zutiefst davon überzeugt, dass langfristig nur ein fahrscheinloser Nahverkehr unsere Zukunft sein kann. Die Stadt ist für die Menschen da und nicht für die Autos. Dafür haben wir noch einige Wegstrecken und viele Verhandlungen zurückzulegen – innerhalb Freiburgs und auch mit der Landesregierung und auch der Bundesregierung. Dafür brauchen wir noch Zeit, heute werden wir den ersten richtigen Schritt gehen und das ist sehr gut so.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit