Es bleibt ein Mieterhöhungsspiegel

Unser Amtsblattartikel vom 01.02.2019
Es bleibt ein Mieterhöhungsspiegel

Seit Januar gibt es den neuen Mietspiegel, der wenig überraschend wieder über dem letzten liegt. Im Durchschnitt steigt der Preis im Vergleich zum letzten Jahr um 3,7%. Die durchschnittliche monatliche Nettomiete aller Wohnungen - unabhängig von Wohnfläche, Baujahr und sonstigen Wohnwertmerkmalen – liegt damit bei 8,56 Euro / m2. Dass der Mietspiegel jedes Jahr steigt ist aber kein Zufall. Dadurch, dass nur Mietverträge in den Mietspiegel einbezogen werden, die in den letzten 4 Jahren neu abgeschlossen wurden oder sich in dieser Zeit geändert haben, - und auch da nur bestimmte Wohnformen - liegt der Mietspiegel weit über dem tatsächlichen Mietdurchschnitt in Freiburg.

Dieser Mietspiegel wird dann von Vermieter*innen als Begründung genutzt, um die Mieten weiter zu erhöhen. Der Mietspiegel mag zwar vor explosiven Spekulationen schützen, aber er sorgt in seiner jetzigen Verfassung für eine stetige Erhöhung der ohnehin schon astronomischen Mieten in Freiburg. Um das aufzuhalten, müsste ein statistisch korrekter Median aller Freiburger Mietverhältnisse erhoben werden.

Auch die Ungenauigkeit in der Erhebung der Statistik ist problematisch. Von 18.000 befragten Haushalten antworteten 2017 lediglich 2.700 Haushalte.
Sich auf eine Indexierung zu verlassen, die auf diesen Zahlen basiert, ist angesichts der fatalen Mietsituation in Freiburg mehr als nur unverantwortlich. Während wir bereit sind, viel Geld in Bauprojekte zu investieren, versuchen wir an dieser Stelle scheinbar zu sparen, wo es nur geht. Und das obwohl die Auswirkungen des Mietspiegels einen ebenso bedeutenden Einfluss auf die Mietpreise in Freiburg haben, wie der Neuwohnungsbau.
Denn bis dieser Wirkung zeigt, vergehen noch einige Jahre. Und solange die Mietpreise des Neuwohnungsbau sich an dem Mietspiegel orientieren, wie er momentan funktioniert, wird auch das erst dann Erfolg haben, wenn es in Freiburg wieder dauerhaft leerstehende Wohnungen gibt. Denn erst dann werden Vermieter*innen mit ihren Preisen in Konkurrenz geraten und erst das wird die Vermieter*innen dazu bringen, Wohnungen unter dem Mietspiegel zu vermieten, was dann zu Senkungen führt.

Ein Markt regulierendes Instrument, welches sich am Markt orientiert, ist ein Widerspruch in sich. Der Mietspiegel sorgt höchstens dafür, bestehende Tendenzen zu sichern, nicht aber die Tendenz zu beeinflussen. In einer Stadt wie Freiburg, in der die Tendenz eine katastrophale Entwicklung der Mieten ist, sollte die aktuelle Laufrichtung nicht noch stabilisiert werden, sondern grundlegend verändert.