Ein guter Tag für die Kultur und für Freiburg

Simon Waldenspuhls Rede zur Personalkostenanpassung für freie Träger im Kulturbereich im städtischen Haushalt im Gemeinderat vom 05.02.2019
Simon

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie sie bestimmt wissen, gibt es gesamtgesellschaftlich einen Trend, der sich systematische Kostensteigerung nennt. Es ist ganz simpel, die Lebenshaltungskosten steigen kontinuierlich. Davon sind wir alle betroffen. Die von uns mit festen Arbeitsverträgen bekommen unter anderem auch deshalb in regelmäßigen Abständen Lohnerhöhung. Deshalb steigen für Arbeitgeber auch regelmäßig die Personalkosten. Im Sozialbereich unseres Haushaltes tragen wir diesem Umstand Rechnung.

Jedes Jahr werden die Personalkosten der Einrichtungen, die wir über den Haushalt mitfinanzieren, erhöht. Diese systematische Erhöhung beantragen wir nun ebenfalls für den
Kulturbereich. Denn auch hier finanzieren wir durch die Zuschüsse Personalkosten von Kultureinrichtungen. Wie sie der Vorlage entnehmen können, sind die Förderstrukturen hier allerdings deutlich komplexer.

Die freie Szene erhält vornehmlich ein Barzuschuss, den sie dann eigenständig aufteilen. Ein Personalkostenzuschuss ist so schwer zu ermitteln. Auch sind die Einzelzuschüsse oft weit nicht so hoch wie die im Sozialbereich.

Aus diesem Grund folgen wir hier dem Vorschlag der Verwaltung und beantragen eine prozentuale Erhöhung des Barzuschusses, allerdings um 2,5 Prozent. Wie sie sehen, sind die Auswirkungen im Kontext des Gesamthaushaltes überschaubar. Aber jeder Euro mehr, den wir in die vielfältige und breit aufgestellte Kulturszene dieser Stadt stecken, ist eine Investition in Freiburgs Wohlstand und Zukunft.

Man bekommt hin und wieder den Eindruck, dass Kultur oft als schmückendes Beiwerk angesehen wird, das man sich als wohlhabende Stadt so leistet. Aber neben dem soziokulturellen und inhaltlichen Mehrwert für eine demokratische Gesellschaft hat Kultur auch einen ganz praktischen Wert: Kultur ist ein weicher Standortfaktor. Und gerade eine Stadt wie Freiburg, die davon lebt, dass sie eine pulsierende Universitätsstadt ist, dass junge Menschen in die Stadt strömen, braucht diese weichen Standordtaktoren, um ihren Wohlstand aufrechtzuerhalten.
Denn wie sie wissen, hat Freiburg keine große Industrie, die mit Gewerbesteuereinnahmen unsere Stadtkasse aufpäppelt. Freiburgs Unternehmen sind oft an die Universität gekoppelt. Diese ist wiederherum daran gekoppelt, dass junge Menschen sie als Studienort aussuchen. Und junge Menschen wiederherum mögen Kultur. Und wenn sie sich die Statistiken der Universität anschauen, die aufschlüsseln, warum junge Menschen sich Freiburg als Studien- und Lebensort aussuchen, dann ist die Qualität der Stadt gleichauf mit der Qualität der Universität.

Diesen Zirkel kann man nochmal drehen, wenn man sich die wachsende, dynamische Startup-Szene dieser Stadt anschaut, die auch davon lebt, dass junge kreative Menschen sich hier zuhause fühlen. Diese braucht auch eine attraktive, pulsierende Stadt, um sich entfalten zu können. Wenn ich jetzt noch ein Blick in die Zukunft werfe, in welcher Europa als Stätte der Produktion von China und Indien abgelöst wird, werden Standortfaktoren wie Wissen und Kultur an Bedeutung stark zunehmen. Freiburg sollte alles tun, um diese Bereiche finanziell zu stärken.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wie Sie sehen ist jeder Euro in der Kultur gut angelegtes Geld. Wir hoffen, dass sie unserem Antrag deshalb folgen.

Zum Ende kann ich mich meinem Kollegen Timothy Simms nur anschließen, heute ist ein guter Tag für die Kultur und für Freiburg.