Für eine strukturelle Gleichbehandlung im Kulturbereich

Simon Waldenspuhls Rede zur Geschlechtergerechtigkeit im Kulturbereich im Gemeinderat vom 05.02.2019
Simon

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Horn,

erstmal will ich der Verwaltung danken für die umfassende Aufarbeitung der Fragestellung und die inhaltliche Tiefe der Vorlage. Mit dem Thema Gleichbehandlung von Mann und Frau im Kulturbereich befinden wir uns am Zahn der Zeit.

Wie leider fast überall in der Gesellschaft sind auch im Kulturbereich Frauen nicht gleichmäßig an Führungspostionen oder auf Bühnen beteiligt. Am Beispiel der Popkultur lässt sich das gut aufzeigen: Obwohl Frauen schon seit dem Entstehen von Pop musikalisch auf den Bühnen der Welt vertreten waren, schlägt sich dies nicht in der Band-, Solokünstler- oder DJ-Landschaft nieder. Gerade im DJ-Bereich sind es nach wie vor primär Männer, die an den Plattentellern stehen. Im Hip Hop und verwandten Genres sind Frauen auch heute oft nicht Künstler*innen, sondern nach wie vor schmückendes Beiwerk für den männlichen Star.

Diese popkulturellen Bilder von der Frau, die sich von den musikalischen Talenten der Männer beeindrucken lässt oder die eben einfach besser tanzen kann, anstatt selber Musik zu machen, sind tief in unserer Gesellschaft verankert. Und sie prägen das Bewusstsein der nachwachsenden Musikkonsument*innen noch immer.

Und damit sind wir schnell am Kern des Problems: Trotz der enormen Fortschritte in der Gleichbehandlung von Mann und Frau gibt es noch strukturelle Benachteiligungen von Frauen. Und strukturelle Benachteiligungen behebt man am besten, indem man ihnen eine strikte
strukturelle Gleichbehandlung entgegen stellt.

Jetzt ist es natürlich so, dass gerade der Kunst- und Kulturbetrieb sich von anderen Teilen der Gesellschaft abhebt und deshalb Patentrezepte nicht aufstellbar sind. Gerade bei der Bewertung einer künstlerischen Leistung spielt das Geschlecht eben nicht immer eine Rolle. Und bezogen
auf die Förderstruktur der Stadt sind Beschäftigungsverhältnisse oft nicht stetig die gleichen, in einem Theater z.b. wechselt die Aufteilung je nachdem, welches Stück gerade aufgeführt wird.
Aber das bedeutet nicht, dass man es nicht versuchen sollte. Die Stadt Freiburg tut dies über Gender Mainstreaming, also dem Versuch genau diese traditionellen Rollenbilder von Frauen zu brechen und ihnen neue Bilder entgegenzusetzen. Ein Ansatz, der schon im Kulturkonzept umgesetzt wird, soweit dies möglich ist.

Zusätzlich ansetzen kann man zum Beispiel bei Jurys für Kunstpreise, indem man diese paritätisch besetzt. Auch bei der Projektförderung, wo bei gleicher Leistung Projekte, die von Frauen initiiert sind, bevorzugt werden können. Wie auch die Vorlage vorschlägt, wäre es doch an der Zeit über einen gesonderten Freiburger Kunstpreis nur für Frauen nachzudenken.

Im Bereich der Nachwuchsarbeit kann ebenfalls noch intensiver nachgearbeitet werden. Im Popbereich gibt es zum Beispiel den Verein Bretterbude, der gezielt Dj Workshops für Frauen und Menschen aus der LSBTTIQ Szene anbietet. Eine kritische Aufarbeitung von Kunstgeschichte und das Zeigen, dass Frauen schon immer auch aus klassischen Rollenbildern ausgebrochen sind, ist ebenfalls ein probates Mittel, um mehr Frauen zu ermutigen, sich kulturell zu betätigen.

Ich will gar nicht wissen, wieviele Talente, Kunstwerke und inspirierte Musikstücke schon der Welt verloren gegangen sind, weil das gesellschaftliche Rollenbild verhindert hat, dass Frau
sich frei entfalten kann. Wir sind froh, dass die Stadtverwaltung grundsätzlich den Ansatz des
Gender Mainstreaming auch im Kulturbereich mitträgt. Wir wollen die Stadtverwaltung dabei gerne unterstützen und würden uns freuen wenn aus dem Kulturamt Projekte angestoßen werden, um Frauen in der Kulturszene zu stärken.