Sprache ist ein Schlüssel zur Teilhabe

Monikas Rede zum Gesamtkonzept Durchgängige Sprachbildung in Freiburg 2030 im Gemeinderat vom 09.04.2019
Sprache ist ein Schlüssel zur Teilhabe

Herr Oberbürgermeister,

liebe Anwesende,

Sprache ist ein Schlüssel zur Teilhabe an unserer Gesellschaft. Diese Weisheit haben wir heute schon gehört – und sie ist richtig.

Durchgehende Sprachbildung von der Kita bis zu den Schulen ist wichtig und ist der Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe.

Wenn Kinder in der Lage sind, sich verständlich zu machen, wenn sie kommunizieren können, wenn sie verstehen, was ihnen gesagt oder gezeigt wird, dann können sie ihre Bedürfnisse äußern, ihre Meinung sagen, widersprechen, Fragen stellen, ihre Gedanken formulieren und vieles mehr.

Wer schon einmal in einem Land war, dessen Sprache er oder sie nicht sprach, erinnert sich vielleicht an die leichte bis mittelschwere Verzweiflung, wenn es darum ging, sich verständlich zu machen und wenn das nicht immer klappen wollte.

In dieser Situation sind viele Kinder und Jugendliche, die unsere Kitas besuchen – und die bei uns in die Schulen gehen.

Viele haben Schwierigkeiten, ihre Bedürfnisse in Worte zu fassen, sich mitzuteilen – und später in der Schule einen ausreichenden Wortschatz zu haben, um geschriebene Texte und Fachsprache verstehen zu können. Wenn wir da nicht gegensteuern, lassen wir es zu, dass Kinder und Jugendliche in ihren Bildungsbiographien zum Scheitern verdammt sind oder übermäßig große Anstrengungen unternehmen müssen, um einigermaßen gut durch unsere Schulen zu kommen und den Schritt in das Leben nach der Schule mit einem erfolgreichen Abschluss machen zu können. Kollege Bock hatte ja bereits darauf hingewiesen.

Ich möchte an dieser Stelle wegen immer wieder stattfindender Diskussionen ausdrücklich darauf hinweisen, dass es gut ist, wenn zuhause die Muttersprache, die Sprache des Herzens, gesprochen wird.

Für die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern ist diese gemeinsame Sprache die beste.
Allerdings sind die Kinder darauf angewiesen, dass sie unsere Verkehrssprache, also Deutsch, flüssig kennen, sprechen und verstehen. Dies ist übrigens für viele Kinder und Jugendliche, bei denen zuhause Deutsch gesprochen wird, auch darauf wurde schon von meinen Vorredner*innen hingewiesen, auch nicht einfach.

Deswegen brauchen Kitas Programme zur Sprachförderung, deswegen sind Programme wie „Erzählen, Zuhören, Weitererzählen“ so wichtig und richtig – und deswegen ist es unfassbar wichtig, dass Kitas und Schulen Zugang zu Büchern in deutscher Sprache aber auch in anderen Sprachen haben.

Für Kinder und Jugendliche, die zuhause eine andere Muttersprache sprechen und hören, ist es zudem wichtig, dass sie Zugang zu muttersprachlichem Unterricht haben und in ihrer Muttersprache schreiben und lesen lernen. Studien beweisen, dass Kinder, die die Herkunftssprache flüssig und korrekt sprechen und schreiben können – auch eine zweite oder dritte Sprache deutlich leichter korrekt lernen können. Für viele Kinder in Freiburg gibt es diesen muttersprachlichen Unterricht – und das ist sehr gut so und sollte wertgeschätzt werden von uns und allen Beteiligten.

Nun aber zur durchgängigen Sprachbildung, die im Doppelhaushalt deutlich verankert ist: es ist absolut sinnvoll und gut, dass wir kleinräumig und den Bedarfen der Kitas, der Schulen und der dortigen Kinder entsprechend arbeiten. Von daher ist es auch gut, dass wir von den Modellprojekten in Zähringen und Landwasser lernen und die Kooperation zwischen Kitas und Schulen in Hinsicht auf Sprachbildung deutlich ausbauen – und dass wir jetzt genügend Geld einstellen werden, um mit Weingarten, Brühl-Beurbarung und Haslach weitere Standorte mit durchgängiger Sprachbildung versorgen zu können. Dem Antrag von Bündnis90/die Grünen stimmen wir deswegen sehr gerne zu. Dies wird allen Kindern und Jugendlichen, die dort in die Kitas oder Schulen gehen, zugute kommen.

Da wir hier auch zum Thema Bildung allgemein sprechen sollen: selbstverständlich sind wir in Freiburg im Gemeinderat uns allesamt im Klaren, dass Bildung wichtig ist für alle, die in Freiburg leben.

Daher sind Sanierungen von Schulen, Ausbau von Schulen, Ausbau der Kitas und andere Themen, die mit Bildung zu tun haben, von Seiten des Gemeinderats in den 15 Jahren, die ich ihm angehöre nie gekürzt worden – auch zu Zeiten, die Kürzungen in vielen Bereichen brachten.

Beim Thema Bildung sind wir uns, was Anträge von Seiten des Gemeinderats betrifft, leider nicht immer einig.

Schnellerer Ausbau von digitaler Bildung ist uns von der JPG-Fraktion ein großes Anliegen, damit die Kinder und Jugendlichen zeitgemäße Bildung erfahren können – Kollege Fiek hat es in seiner Haushaltsrede bereits angesprochen. Wir hatten für die zweite Lesung den Antrag gestellt, 2 Mio mehr pro Jahr für den Ausbau der Digitalisierung an Schulen einzustellen, weil es uns ratlos hinterlässt, wie lange – nämlich 7-10 Jahre – der Vorlauf sein soll, bis endlich alle Schulen den Ausbau erhalten haben sollen.

Dieser Antrag ist in der zweiten Lesung leider so deutlich abgeschmettert worden, dass wir ihn nicht strittig gestellt haben. Da wir aber inhaltlich immer noch dahinter stehen, werden wir sehr gerne dem Antrag der FDP zu diesem Punkt zustimmen. Dass Herr Schillinger als Lehrer tatsächlich sich gegen diesen Antrag stellt, lässt mich noch ratloser zurück. Wir müssen alles daran geben, dass in unseren Schulen zeitgemäß unterrichtet werden kann – und eine digitale Infrastruktur für die Schulen ist im Jahr 2019 tatsächlich eine Grundlage dafür, die wir nicht den letzten Schulen noch 7 oder sogar 10 Jahre lang schuldig bleiben dürfen. Digitale Bildung bedeutet nämlich nicht immer Daddeln am Handy, was anscheinend manche vor Augen haben – sondern den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien lernen. Auch jetzt muss ich nochmal Kollegen Schillinger ansprechen – Sie haben zu Recht gesagt, dass Vorlesen und ähnliches nicht in allen Familien stattfinden, egal ob wir dies wollen oder nicht - und wir uns dieser Realität nicht verschließen dürfen. Dies trifft auch für die Begleitung durch Eltern bei einem verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu, von daher müssen wir da den Schulen die Möglichkeit geben, diesen den Schüler*innen nahezubringen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.