Wir dürfen nicht zulassen, dass weiterhin Kinder in Armut aufwachsen

Monikas Rede zur Situation Alleinerziehender in Freiburg im Gemeinderat vom 07.05.2019
Foto von Monika Stein

Herr Oberbürgermeister,

liebe Anwesende,

um einmal auch noch ganz kurz grundsätzlich zu werden:

Wir hatten neulich eine Veranstaltung, in der jemand meinte, wenn jemand mit einem Menschen verheiratet ist, der sehr viel arbeitet, sei er/sie alleinerziehend, weil erst spät abends oder nachts Erziehungsprobleme besprochen werden können. Alleinerziehend ist hier nicht der Fall.
Ebenso ist es nicht der Fall, dass wir von aleinerziehend sprechen, wenn ein Paar die Aufteilung hat, dass eine Person hauptsächlich Kindererziehung und Haushalt macht und die andere Person das Geld verdient.

Alleinerziehend heißt, dass ein erwachsener Mensch alleine die Sorge für die Erziehung, das Geld, die Wohnung, den Haushalt und die Versorgung der Kinder trägt.

Wer mit Alleinerziehenden redet, weiß, wie schwierig die Situation in vielen Bereichen ist. Frau Federer hat darauf hingewiesen, welche Organisationsgenies Alleinerziehende meistens sind.

Im KJHA haben wir die Zahlen gehört: in Heilpädagogischen Horten kommen 44% der Kinder, die dorthin gehen, aus Alleinerziehenden Familien, in psychologischen Beratungsstellen sind 40% AE.

Dies ist der Fall, weil besonders viele Alleinerziehende in derart schwierigen Verhältnissen leben, weil sie oft arm sind, weil sie ums tägliche Überleben kämpfen müssen und weil sie ständig das Gefühl haben, dass sie ihren Kindern nicht das Leben bieten können, was sie ihnen bieten wollen – oder könnten, wenn die Rahmenbedingungen in Freiburg stimmen würden.

Es ist schwieriger für Alleinerziehende, eine Arbeitsstelle anzunehmen als für Eltern, die in einer Paarbeziehung leben und die die Kinderbetreuung auf vier Schultern verteilen können, die sich abwechseln können beim Einkaufen, Müll runterbringen, Duschen, die das Bringen und Holen der kleinen Kinder zu Kita und Schule bzw Kinderbetreuung zu zweit organisieren, die bei Krankheit der Kinder bzw. des Kindes abwechselnd zu Hause bleiben können und vieles mehr. Es ist übrigens auch schwieriger für Alleinerziehende, wenn sie selbst mal krank werden oder sind, als für Eltern in einer Paarbeziehung – die Verantwortung alleine zu tragen wiegt dann besonders schwer.

Um den - in allermeisten Fällen - Frauen die Teilhabe am Berufsleben zu ermöglichen, müssen die Kinder passgenau und flexibel betreut werden können. Daher ist auch der interfraktionelle Antrag so wichtig, in dem beantragt wird, dass wir uns mit dem Modellprojekt zu Randzeitbetreuung befassen. Wer einmal davon gehört hat, ist begeistert und vor allem schwer beeindruckt von den Erfolgen, die dieses Modellprojekt zeigt.

Es geht aber nicht nur um die alleinerziehenden Eltern – es geht mindestens genauso um die Kinder dieser Familien.

Wir dürfen nicht zulassen, dass weiterhin Kinder in Armut aufwachsen. Wir sollten bzw. dürfen sowieso nicht zulassen, dass in unserem reichen Land Kinder in Armut aufwachsen und in vielen Bereichen von kultureller und sozialer Teilhabe abgehängt sind. Dass dies zu einem erschreckenden Prozentsatz die Kinder Alleinerziehender trifft, ist untragbar.

Es ist gut, dass wir jetzt diese umfangreiche Vorlage zur Kenntnis nehmen können – und dass wir dies tun können, bedurfte erst eines interfraktionellen Antrags. Auch daher ist es richtig und wichtig, dass der interfraktionelle Antrag heute zur Vorlage festlegt, dass wir uns spätestens alle zwei Jahre mit der Situation der Alleinerziehenden in Freiburg genauer befassen werden.

Wir haben in diesem Bereich noch sehr viel zu tun – lassen Sie uns hin- und nicht weggucken und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Kinder und ihre Familien zu unterstützen.

Vielen Dank.