Erhalt ist immer günstiger als Neubau

Monikas Rede zur Städtebauliche Erhaltungssatzung „Östlich der Quäkerstraße“ im Gemeinderat vom 07.05.2019
Foto von Monika Stein

Herr Oberbürgermeister,

liebe Anwesende,

bei diesem Punkt sind wir bei einem weiteren für Freiburg sehr wichtigen Thema angekommen: Erhalt von bezahlbarem Wohnraum.

Es ist sehr gut, dass wir heute endlich den Aufstellungsbeschluss für eine soziale Erhaltungssatzung für dieses Gebiet erlassen werden.

Es hat einiges an Nerven und Kraft gekostet für die Bewohner*innen dieses Quartiers, bis heute warten zu müssen, um endlich die soziale Erhaltungssatzung für diesen Bereich zu erlassen. Ich bin mir sicher, dass seit Bekanntwerden der Ergänzungsdrucksache dann alle Bewohner*innen des Quartiers endlich wieder ruhig schlafen konnten. Es hat sich sehr lang hingezogen bis zum heutigen Tag. Ich persönlich freue mich außerordentlich, dass wir diese Vorlagen heute endlich verabschieden werden.

In der teuren Mittel- und Oberwiehre ist das Quartier östlich der Quäkerstraße auffallend: die Wohnungen sind recht klein in ihren Zuschnitten, sind zum Teil nicht auf dem allerneuesten Standard (was oft als nicht zeitgemäß benannt wird) – und haben wirklich eine bezahlbare Miete.

Wenn wir über das Thema bezahlbarer Wohnraum sprechen, müssen wir immer bedenken, dass der bezahlbarste Wohnraum der bereits bestehende ist.

Von daher war klar, dass die Pläne über den Abriss der Wohnungen der Familienheim nicht das sind, was wir in Freiburg gutheißen sollten. Allerdings muss ich klar dazu sagen, dass es nicht nur um Gutheißen geht in dem Fall – sondern es geht hier um alle Menschen, die dort in den Wohnungen leben und deren Sozialstruktur und Lebensbedingungen „Wiehre für alle“ akribisch untersucht hatte.

Aus zahlreichen Gesprächen wissen wir, in welche existenziellen Ängste es die Mehrzahl der Bewohner*innen gestürzt hat, dass ihre Wohnungen vom Abriss bedroht waren – und dass die Wohnungen in den Neubauten, die dort geplant worden wären, für sie völlig unbezahlbar gewesen wären.

Dass die Familienheim die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung zu diesem Punkt so rundweg verweigert hat, hinterlässt uns alle ratlos. Es ist sehr gut, dass die Verhandlungsbasis der Stadt jetzt eine völlig klare ist und keine Aufweichung der Position mehr zu erwarten bzw. zu erträumen sein kann.

Die von uns, die schon länger in Freiburg politisch aktiv sind, erinnern sich an den Abriss des Studierendenwohnheims Luitgart, in der direkten Nachbarschaft, das durch sehr teure Wohnungen ersetzt wurde. Diese Erfahrung sitzt tief in den Herzen.

Herr Frey hat schon darauf hingewiesen, dass die Familienheim ihre Geschäftspolitik neu ausrichten muss, wenn sie in Freiburg weiterhin eine wichtige Rolle beim Wohnungsneubau spielen will.

Wenn es um die Schaffung bezahlbarer Wohnungen geht, nennen die meisten in Freiburg Genossenschaften, das Mietshäusersyndikat und die Stadtbau als diejenigen, die das umsetzen sollen.

Allerdings schränke ich, muss ich zugeben, immer ein und sage, dass die sozial agierenden Genossenschaften, das Mietshäusersyndikat und die Stadtbau dies umsetzen sollen. Wir brauchen in Freiburg auch das Vertrauen in diejenigen, die bezahlbaren Wohnraum erstellen sollen. Dass die Familienheim im Sinne der Mitglieder der Genossenschaft und damit der Mieter*innen handelt, wird von vielen im Moment bezweifelt.

Von daher muss die Familienheim ihre Geschäftspolitik dringend überdenken.

Abriss und Neubau soll vermieden werden – Herr von Kageneck versucht darauf hinzuweisen, dass es von enormem Vorteil sei, die Sanierung zu umgehen und stattdessen Neubau zu ermöglichen. Herr Kollege, ich habe vorhin schon erwähnt, dass beim Bereich bezahlbares Wohnen wirklich klar ist, dass Erhalt von bezahlbaren Bestandswohnungen IMMER günstiger ist als Neubauten.

Die kleinen Wohnungszuschnitte sind das, was die Mieter*innen so schätzen.

Das soziale Umfeld mit den anderen Mieter*innen sind das, was die Menschen dort schätzen.

Das Wohnen in der Wiehre ist das, was die Mieter*innen dort schätzen.

Das soziale Umfeld, die Schulen, in die die Kinder gehen, sind das, was die Mieter*innen dort schätzen.

Einige sind aus anderen Wohnungen der Familienheim ins Quartier östlich der Quäkerstraße umgesetzt worden, weil dies bezahlbare Wohnungen für sie waren.

Wenn die Wohnungen des Quartiers östlich der Quäkerstraße jetzt abgerissen und dort neu gebaut werden würde, wären die Wohnungsschnitte sicherlich nicht so praktisch mit sehr kleinen abgeschlossenen Zimmern – weil dies heute nicht mehr so gebaut wird. Allerdings erreichen wir mit so kleinen abgeschlossenen Zimmern Wohnungsgrößen, die bei den Quadratmeterpreisen in Freiburg den Menschen, die dort wohnen, eine bezahlbare Miete ermöglichen.

Wir von der JPG Fraktion stimmen den Vorlagen sehr gerne zu und wünschen den Bewohner*innen des Quartiers jetzt endlich wieder ruhigen Schlaf.