Heute so aktuell wie vor 50 Jahren

Amtsblattartikel vom 05.07.2019
Heute so aktuell wie vor 50 Jahren

Am 28. Juni jährte sich zum 50. Mal die Polizeirazzia in der New Yorker Bar Stonewall Inn, die zu tagelangen Unruhen in der Christopher Street im Greenwich Village führte. Seitdem wird jedes Jahr mit dem Christopher Street Day an die Aktivist*innen, die damals für mehr LSBTTIQ-Rechte auf die Straße gingen, und die massive Polizeigewalt, die sich gegen sie richtete, erinnert. Auch in Freiburg waren weit über zehntausend Menschen auf der Straße um gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit und für eine offene und bunte Gesellschaft zu demonstrieren. Wir freuen uns sehr, dass die Parade mit so vielen Teilnehmer*innen wie noch nie zuvor und sechzehn Wagen ein so starkes Zeichen für Freiburg gesetzt hat.

Nachdem es in den letzten Jahren immer wieder zu Problemen mit dem Amt für öffentliche Ordnung kam, das den Veranstalter*innen viele Steine in den Weg gelegt hat, berichten die Organisator*innen des CSD dieses Jahr von einer guten und konstruktiven Kooperation, was wir ausdrücklich begrüßen.

Der hinterhältige und feige Farbangriff auf die Freiburger Lesbenfilmtage vor zwei Wochen hat wieder einmal klar gezeigt, dass Demonstrationen wie der CSD weiterhin sehr wichtig sind, da Homo- und Transfeindlichkeit nicht aus der Gesellschaft verschwunden sind, sondern immer noch zu den am häufigsten anzutreffenden Ressentiments gehören. Auch deswegen setzen wir uns für die Einrichtung eines queeren Zentrums in der Innenstadt ein, einerseits als Schutzraum für queere Menschen, aber auch, um queeres Leben in der Stadt sichtbarer zu machen und an einer Atmosphäre in der Stadt zu arbeiten, in der niemand Angst vor homo- oder transfeindlichen Übergriffen haben muss.

Die Stadt Freiburg muss sich zudem die Frage stellen, wie sie gleichzeitig für LSBTTIQ-Rechte einstehen und eine Städtepartnerschaft mit Isfahan im Iran unterhalten kann, wo von Seiten der Behörden aus furchtbare Verbrechen an homosexuellen Menschen begangen werden? Diese Partnerschaft sollte aus unserer Sicht beendet werden. Das iranische Regime ist nicht reformierbar und nutzt die Städtepartnerschaft konsequent propagandistisch aus. Anstatt ein Regime zu unterstützen, das homosexuelle Menschen an Baukränen aufhängt, sollten Partnerschaften mit zivilgesellschaftlichen und oppositionellen Gruppen im Iran eingegangenen werden.