Inklusion ist noch nicht in allen Köpfen angekommen

Monikas Rede zur Satzung der Stadt Freiburg i. Br. über die Beteiligung von in Freiburg lebenden Menschen mit Behinderungen am kommunalen Geschehen im Gemeinderat vom 09.07.2019
Foto von Monika Stein

Herr Erster Bürgermeister,

liebe Frau Baumgart,

lieber Herr Willmann,

liebe Anwesende,

vielen Dank für die Vorlage, die zeigt, in welchen Bereichen unsere Stadt sich in den letzten Jahren auf den Weg gemacht beziehungsweise verändert hat, um allen Menschen möglichst viel Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen.
Dass wir immer noch am Anfang eines langen Weges sind bei diesem Punkt, müssen wir immer wieder betonen. Auch wenn schon viel Geld in die Hand genommen wurde, um in den verschiedensten Bereichen eine größere Barrierefreiheit herzustellen.

Wir alle brauchen den schnelleren Ausbau des Karriere öffentlichen Raums – und zwar nicht, weil alle von uns darauf angewiesen sind, dass dieser Raum für sie selbst barrierefrei ist, sondern weil wir eine Gesellschaft sind, in der Menschen mit sehr verschiedenen Bedürfnissen leben. Wir können und dürfen nicht zulassen, dass einige Menschen in der Öffentlichkeit kaum auftauchen, weil der Weg in diese Öffentlichkeit für sie zu anstrengend oder manchmal kaum möglich ist – weil Barrieren im Weg sind, die nicht notwendig wären. Es ist gut, dass wir mittlerweile bei Neubaugebieten immer schneller das Wort „Barrierefreiheit“ verwenden, zeigt es doch, dass Inklusion in vielen Köpfen voranschreitet. Gleichzeitig ist es immer wieder erstaunlich, wo überall Barrieren übersehen werden oder als in der Abwägung weniger schlimm angesehen werden, als wenn etwas nicht so schön aussähe. Schönheit liegt bekanntlich im Auge der betrachtenden Person – und wir finden, dass Schönheit des öffentlichen Raums auch damit zu tun hat, dass alle die Möglichkeit zur Teilhabe haben.

Herr Kotterer hat darauf hingewiesen, was sich in den letzten 10 Jahren geändert hat – ich muss Ihnen aber leider widersprechen – Inklusion ist mittlerweile in vielen Köpfen angekommen, aber leider immer noch nicht in allen.
Deshalb ist es absolut wichtig, dass die Stadtverwaltung eng und vertrauensvoll mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen zusammenarbeitet und immer wieder lernbereit ist.
Ich muss auch heute mal wieder ansprechen, was ich bei einem ähnlichen Tagesordnungspunkt neulich im Gemeinderat schon angesprochen habe: es ist gut und richtig, dass wir Gebärdendolmetscher*innen hier haben, die das Gesagte übersetzen. Aber: ich will, dass sie bei allen Gemeinderatssitzungen anwesend sind und übersetzen, egal ob Inklusion auf der Tagesordnung steht oder nicht. Das wäre ein wichtiger weiterer Schritt auf dem Weg zu einer inklusiven Stadt. Dann könnten gehörlose Menschen an jeder Gemeinderatssitzung teilnehmen – ohne Voranmeldung und unabhängig von den Tagesordnungspunkten.

Beim nächsten, bereits beschlossenen Tagesordnungspunkt, geht es außerdem auch um Formalia, die aber wichtige Gründe und Auswirkungen haben.