Ein lebendiger, grüner und viel genutzter Platz in Freiburgs Mitte

Monikas Rede zum Entwicklungskonzept Colombipark im Gemeinderat vom 09.07.2019
Foto von Monika Stein

Herr Erster Bürgermeister,

liebe Anwesende,

mit der Neukonzeption des Colombiparks haben wir die Chance, einerseits einen Teil des Colombiparks neuen Menschen zugänglich zu machen – Menschen mit kleinen Kindern sind hier bisher nur wenige zu sehen und werden dann hoffentlich in großer Zahl dort zu finden sein. Andererseits erhoffen wir uns einen lebendigen, grünen, schönen und viel genutzten Platz in Freiburgs Mitte.

Gleichzeitig möchte ich hier in öffentlicher Sitzung sagen, was für uns und auch für mich persönlich ein wichtiger Punkt war, weswegen wir dieser Vorlage zustimmen können: die Menschen, die bisher auf dem ehemaligen Spielplatz sind, sollen nicht vertrieben werden, sondern es wurde mit den Mitarbeiter*innen vom Kontaktladen zusammen geschaut, wie für sie ein neuer Aufenthaltsort auf dem Gelände des Colombiparks gefunden werden kann. Es ist auch sehr gut so, dass die Öffnungszeiten des Kontaktladens verlängert werden. Dass immer mehr und immer weitere Nachbesserungen des Konzepts nach Protesten aus dem Quartier stattgefunden haben, ist gut und richtig so. Vielleicht auch noch einmal ganz deutlich: wir beschließen eine Konzeption, aufgrund derer dann die Planung beginnen kann.
Gut, dass viele Knackpunkte jetzt schon genannt wurden und damit ausgebessert werden konnten.

Ein weiterer Punkt, der uns auch wichtig ist: auch wenn der neu zu schaffende Aufenthaltsort für die drogenabhängigen Menschen verlegt wird und abends abgeschlossen werden soll, muss es möglich sein, dass die Frauen, für die in diesem Bereich keine Toilettenmöglichkeit besteht, die öffentliche Toilette in der Gastronomie benutzen können, wenn der Kontaktladen nicht geöffnet ist. Wichtig ist aber ganz besonders, dass der neue Platz überhaupt angenommen werden kann – und dabei können alle, die in diesem Gebiet unterwegs sind, mithelfen. Zu allererst würde ich dafür werben, dass die Transparente abgehängt werden, die für die drogenabhängigen Menschen schwer auszuhalten sein müssen. Wir dürfen nicht den Eindruck vermitteln, dass es um eine geleckte und saubere Innenstadt geht, in der einige Menschen nichts zu suchen haben. Stattdessen muss es darum gehen, dass alle, die den Colombipark derzeit nutzen, sich auch in Zukunft dort wiederfinden können. Das betrifft auch Jugendliche, die sich abends sicherlich im neuen Park auch treffen wollen – und die auf keinen Fall vertrieben werden dürfen durch die Aufwertung des Parks und durch die Neugestaltung.

Ein neugestalteter Platz, der dem Denkmalschutz genügt, der einen Wasserspielplatz hat, der die Schönheit der ursprünglichen Konzeption darstellt, ist sicherlich ein Gewinn für Freiburg. Die barrierefreie Zugänglichkeit des Parks ist selbstverständlich Grundbedingung für die weitere Planung. Vielen Dank, dass Sie übernommen haben, dass noch einmal genau geschaut wird, ob dies gewährleistet ist und wie dies gewährleistet werden kann.
Der neu zu schaffende Spielplatz mit Wasser ist mehr als willkommen in der Innenstadt, die spielplatzarm ist. Allerdings wollen wir auch hier anregen, dass sowohl Barrierearmut dabei mitgedacht wird und vielleicht ein oder zwei barrierefreie Spielgeräte dort Platz finden können – vielleicht auch andere als die Rollstuhlkarussels, die schon auf einigen Spielplätzen in Freiburg zu finden sind. Insgesamt freuen wir uns auf einen innovativen und kreativen Spielplatz, der sicherlich unter Beteiligung zahlreicher Menschen entwickelt werden wird.

Und ein Punkt gehört nicht wirklich zu dieser Vorlage, hat aber dankenswerterweise durch die Diskussionen und die Beteiligung von Anwohner*innen noch einmal mehr Fürsprecher*innen gefunden und muss deswegen auf jeden Fall auch in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Ich habe es bereits im Sozialausschuss gesagt: Ein Konsumraum, der bisher in Baden-Württemberg nur für Städte ab 300.000 Einwohner*innen möglich ist, muss unser Ziel auch in Freiburg sein. Dass wir dies derzeit nicht erreichen können, solange die Landesregierung uns das nicht gestattet, ist klar. Aber wir bitten die Verwaltung ausdrücklich, sich auf allen Ebenen sowohl über Städtetag als auch in direkten Kontakten mit den Personen und Parteien der Landesregierung dafür einzusetzen, dass dies geändert wird und dass wir als Stadt Freiburg auch die Möglichkeit haben, einen Konsumraum einzurichten. Dieser kann nicht alle negativen Auswirkungen von Sucht beseitigen, das ist klar. Aber ein Konsumraum sorgt dafür, dass die Lebensqualität der Suchtkranken deutlich steigt, dass die Gesundheitsgefahren sinken. Dies sollte unser Ziel sein!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit