Ein kritischer Blick in die Geschichte ist unabdingbar

Simons Rede zur Rechtsform des zukünftigen Dokumentations- und Informationszentrums über den Nationalsozialismus im Gemeinderat vom 23.07.2019
Foto von Simon Waldenspuhl

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren,

wir stimmen der Vorlage ebenfalls so zu. Die Argumentation der Verwaltung ist schlüssig, ein mögliches NS Dokuzentrum in die Museumslandschaft der Verwaltung zu integrieren. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass die Verwaltung einem solchen Dokuzentrum mit einer gewissen Sensibilität und auch mit einer möglichst großen Autonomie entgegen kommen muss. Kritische Geschichtsaufarbeitung soll natürlich auch die Rolle der Stadt Freiburg im NS problemlos weiter aufarbeiten können. Der Antrag der UL auf einen fähigen Fachbeirat unterstützen wir auch deshalb sehr gerne.

Viel muss man nicht mehr zu dem Zentrum sagen, ich bin sehr froh, dass wir dieses noch auf den Weg gebracht haben bevor die AfD im Gemeinderat vertreten ist. Sonst bestände die Gefahr, dass wir hier am Ende ein Dokumentationszentrum der beiden deutschen Diktaturen hätten und eben keins, das sich explizit dem grausamsten Teil der deutschen Geschichte widmet und hier Aufklärung und Forschung leisten und mahnend wirken wird.

Ein kritischer Blick in die Geschichte ist unabdingbar, um weiter daran zu arbeiten, dass sich Demokratie, Freiheit und eine offene Gesellschaft fortentwickeln und nicht humane Standards, die die letzten Jahrzehnte selbstverständlich wurden, wieder rückgängig gemacht werden.

Ebenfalls kann ein kritischer Blick in die Geschichte vor erneuten Fehlern bewahren. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie ähnlich sich die rechtsautoritären Bewegungen der letzten 100 Jahre doch immer wieder sind.

Volker Weiß, Historiker aus Hamburg hat treffend analysiert, dass Sarrazin mit seinem Werk „Der Untergang des Abendlandes“ weite Passagen aus Oswald Spenglers - Wegbereiter der NS Regimes - Werk „ Der Untergang des Abendlandes“ aus dem Jahre 1918 abgeschrieben hat. Was schockiert, ist dass diese billige Propaganda in den 20er in den Wirren der Weimarer Republik genauso auf Gehör gestoßen ist wie heute, nach über 60 Jahren geregelter Demokratie.

Oder Goebbels, der mit der heutigen Öffentlichkeitstrategie der Neuen Rechte, nämlich der Ausnutzung demokratischer Freiheiten, um diese abzuschaffen schon recht erfolgreich war. Oder wie Adorno 1963 analysierte, dass es Regionen in Deutschland gäbe, er nennt die ländliche Pfalz, in welcher spannenderweise immer wieder viele Menschen rechtsnational wählen.

Sie sehen es gibt noch viel zu forschen, viel zu tun, ich freue mich auf das NS Dokumentationszentrum und sehe in ihm einen wichtigen Baustein, um die Gefahr einer autoritären Übernahme etwas zu mindern.