Neuer Karlsplatz Freiburg

Modell_Flucht_Stadtgarten

Unter Anleitung von Architekturlehrer Matthias Bergdolt entstand im Schuljahr 2014/15 an der Kapriole Schule in Freiburg ein Entwurf zur Umgestaltung des Karlsplatzes. Die JPG-Fraktion findet solch außergewöhnliches Engagement spitze, und wollte mehr erfahren. In einem Interview mit Simon Blauth von der Freien Demokratischen Schule Kariole in Freiburg erfuhren wir genaueres:


JPG: "Hallo Simon. Erzähl' doch erst mal, wer genau für den Entwurf für eine Umgestaltung des Karlsplatz verantwortlich ist, wer ihr seid, und wann das Modell fertig wurde."
Simon Blauth: "Entworfen haben Schülerinnen und Schülern im Wahlfach Architektur an der Freien Demokratischen Schule Kapriole in Freiburg. Die Planung erfolgte im Schuljahr 2014/15. Fertigstellung des Modells: Oktober 2015"


JPG: "Aber wie genau hat das bei euch angefangen? Vielleicht könnt ihr ja noch etwas mehr über den Hintergrund erzählen?"

Simon Blauth: "Unsere Ausgangslage war das Lärmproblem am Augustinerplatz. Während der Überlegungen um die Einführung der schwarzen Sheriffs kam uns die Idee, Alternativen zu schaffen. Wir machten eine Exkursion zu allen Freiburger Plätzen und kamen zu Einschätzungen von deren Qualitäten. Die Erkenntnis: Es gibt derzeit außer dem Augustinerplatz eigentlich keine innerstädtischen Plätze, von denen sich Jugendliche und Studenten angesprochen fuhlen. Im Zuge der Exkursion fanden wir auch den vor sich hin vegetierenden Karlsplatz. Dieser außer als Busparkplatz und als Durchgangsweg zur Innenstadt nahezu unbenutzte Platz schien uns ideal. Wir begannen sofort mit den Überlegungen zur Umgestaltung des Platzes, um ihn wieder salonfähig und außerdem für die Jugend attraktiv zu machen."


JPG: "Wie sehen eure Ideen zur Umgestaltung  aus?"
Simon Blauth:  "Wir entschieden uns, den Platz von Grund auf neu zu gestalten. Dafür mussten erst einmal all die Verunstaltungen, die der Platz über die Jahre erfahren hatte, beseitigt werden. Also haben wir in unserem Entwurf all die störenden Elemente wie Mülltonnen, Busse und lieblos hingekleisterte Bänke entfernt, um Raum für neue Ideen zu schaffen. Auch haben wir die historischen Platzkanten wiederhergestellt. Dafür musste die Verkehrsführung geändert werden. Dies geschah in Form einer Umgestaltung und teilweisen Entfernung der Straße „Auf der Zinnen“, die derzeit noch mitten uber den Grundriss der historischen Platzform fuhrt.

Außerdem gibt es in unserem Entwurf zur Verkehrsreduzierung eine Einbahnstraßenregelung, wenn man vom Leopoldring in die verbleibenden Bereiche der Straße Auf der Zinnen abbiegt. Das derzeit nicht mehr dauerhaft genutzte ADAC-Gebäude wurde ebenfalls entfernt.
Die Busse sollen am Karlsplatz nur abladen oder Gäste einsteigen lassen. Parken soll außerhalb der Innenstadt stattfinden (z.B. Parkplatz bei Neuer Messe) Sie sollen kunftig direkt am Leopoldring einige Kurzzeit-Haltebuchten erhalten, sozusagen als „Shuttle-Rampe“ fur Touristen zur Innenstadt.
Der Platz soll ein städtischer Platz sein. Er darf deshalb versiegelten Boden haben. Dieser ist auch besser fur Veranstaltungen wie beispielsweise Straßenkunstler-Darbietungen oder auch zum Aufenthalt bei schlechterem Wetter geeignet. Der Platz steht somit auch im Kontrast zum gegenüberliegenden Stadtgarten. Dieser Kontrast zwischen Natur und Kultur ist als Leitmotiv in unseren Entwurf eingegangen und findet sich an vielen Stellen wieder. Auch die geschwungene Form der Stadtgartenbrücke als Verbindung zwischen den beiden Gegensätzen hat uns bei der Gestaltung der Platzelemente inspiriert."


JPG: "Das klingt ja schon sehr spannend! Aber vielleicht kannst Du noch etwas konkreter auf die von euch vorgeschlagenen neuen Elemente eingehen?"
Simon Blauth: "Nachdem wir den Platz für unsere Ideen freigemacht und vorbereitet hatten, machten wir uns daran, ihn zu gestalten. Dabei kamen wir auf folgende Überlegungen und Ergebnisse:
Es braucht Überdachungen. Die soll es zahlreich mit Sitzgelegenheiten kombiniert uber den Platz verteilt geben. Beachtung findet dabei aber, dass der Abgang der Stadtgartenbrucke und der Beginn der Herrenstraße als Zugang zur Innenstadt nicht versperrt wird. Fußgänger sollen aber den Weg flankierend anregende Blicke zu beiden Seiten erhalten. Die Blickachsen sind bewusst offengehalten. In Anlehnung an die geschwungene und damit fast schon organische Form der Stadtgartenbrucke sollen die Überdachungselemente auch aus geschwungenen Formen bestehen. Am Übergang von Natur (Stadtgarten) zur Kultur (Innenstadt) finden sich in der Neuplanung also naturnahe Formen aus kunstlichen Materialien.
Sitz- und Aufenthaltsgelegenheiten soll es in zahlreicher Form und in Varianten geben. Unter den Überdachungen gibt es Sitzschlangen die es ermöglichen, in kleinen Gruppen zusammenzusitzen und sich dabei auch anzusehen. Außerdem gibt es ein größeres und abgewinkeltes Multifunktions-Element, welches verschieden hohe und abgestufte Sitzgelegenheit bietet. Durch die Form entsteht im Winkel ein Bereich, der sich aufgrund guter Einsehbarkeit als Freilichtbuhne fur Straßenkunstler und derartiges eignet. Das Element selbst kann teilweise auch mit dem Fahrrad oder Skateboard befahren werden.
Das Element Wasser soll auf dem neuen Platz nicht fehlen. Es gibt zwei verschiedene Brunnenanlagen in unterschiedlicher Bauart. Einmal mit „Wasservorhängen“ und Einfassungen zum Draufsitzen und einmal bodengleich mit eingelassenen Wasserdusen.
Der bisherige Bestand an alten Bäumen bleibt weitgehend erhalten. Der zusätzliche Schatten und der kuhlende Effekt sind wichtig.
An der Platzkante zur Herrenstraße hin wird ein Kunstwerk mit großem Wiedererkennungswert installiert. Es soll Touristen als Merkpunkt und gleichzeitig als Wartepunkt dienen. Es ist mit Solarbäumen so geplant, dass man dort Schatten und auch viele Sitzgelegenheiten hat. Der Strom aus den Solarzellen soll zur Platzbeleuchtung verwendet werden."


JPG: Wir bedanken und vielmals für die ausführlichen Informationen! Wir würden uns freuen, wenn euer Entwurf im Rathaus auf offene Ohren stieße!


Am Entwurf mitgewirkt haben:
Simon Blauth, Anton Metzger, Fabian Knözinger, Manos Junker, Leon Tilgner, Jörn Lippke, Nele Stoeckich, Tim Henn, Amelie Knözinger, Kilian Knözinger, Jona Beier, Timon Vagedes, Noah Plocher, Jeremy Westerman, David Brackrock. Lehrer: Matthias Bergdolt