Sergios Rede auf der Demoparade zum Erhalt des ArTik

Die komplette Rede. Vorgetragen während der Abschlußkundgebung der Demoparade #FreiburgerFreiräume vor dem Rathaus am 2.5.2016.
Sergios Rede auf der Demoparade zum Erhalt des ArTik

"Hi Leute!

Ich weiß, den ArTik Mitgliedern und den ehemaligen Nutzern der Unterführung ist eine diplomatische Haltung sehr wichtig. Hoffnung und Zuversicht haben den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern bis heute die Energie und Motivation gegeben, trotz allen Schwierigkeiten immer weiterzumachen. Diese Energie und diese Motivation habe ich heute auch, wenn ich hier vor euch stehe. Aber Zuversicht vermischt sich mit Wut. Und Hoffnung, die immer den Geschmack des Ausgeliefertseins mit sich trägt, wird überstrahlt von einem Willen. Ein starker Wille, der nicht bereit ist, aufzugeben. Nicht nach all der Arbeit und dem Herzblut, mit dem wir alle uns für das ArTik eingesetzt haben.

Jugend und Subkultur ist NICHT optional. Jugend und Subkultur darf sich nicht ständig unterordnen. Die Pläne der Freiburger Elite - als was sich Gemeinderäte und Bürgermeister offensichtlich empfinden - sehen in der Innenstadt keinen Platz für uns. Kein Platz für Subkultur, kein Platz für Nachtleben und kein Platz für Jugendkultur. Deswegen wird der Platz der alten Synagoge zugepflastert. Green City ahoi. Deswegen sollte der Augustinerplatz von Ordnern überwacht werden. Das konnten wir zum Glück verhindern. Tja, und wenn dann erst mal die Innenstadt umgestaltet ist, und am Rotteckring alles angepasst wurde, dann passt da eben auch kein Jugendkulturzentrum mehr rein. Das ist doch der Grund. Geht es hier wirklich um die Kosten?

Der erste Bauabschnitt des neuen Rathauses kostet 76 Millionen. 19 Millionen kostet die Neugestaltung des Rotteckrings, welche das ArTik aus der Unterführung gedrängt hat. Diese bedrängt mittlerweile auch das Wheit Rabbit, weil auch hier schon Räumlichkeiten aufgegeben werden mussten. Der Platz der alten Synagoge kostet schlappe 9 Millionen. Und das, obwohl die Neugestaltung bei der breiten Bevölkerung auf Ablehnung stößt.

Um öffentliche Plätze von rumlungernden Menschen zu befreien, gibt die Stadt also gerne Millionen aus. Hauptsache der Tourismus läuft und wer mit Geld nach Freiburg kommt, kann ungestört von Geschäft zu Geschäft gehen, ein Foto von der aufgehübschten - aber innerlich toten - Innenstadt machen und die nervigen Kids, Punks und Penner haben wir aus der Innenstadt. Toll gemacht.

Um das ArTik aber zu retten, will man jetzt nicht mehr als 400.000,- EUR ausgeben. Diese Zahl bezog sich übrigens auch auf einen Nutzungszeitraum von fünf Jahren. Mittlerweile sprechen wir aber von einem Mietvertrag über 10 Jahren. Bei doppeltem Nutzen können wir auch die Investitionssumme verdoppeln, und wären bei 800.000,- EUR. Mit dem was das ArTik selbst erwirtschaften kann, kommen wir also locker auf die 900.000,- EUR. Das würde sich wenigstens mal lohnen, im Gegensatz zu einigen anderen Sanierungsprojekten der Stadt, die nur dafür da sind, der Stadt ein schickeres Image zu verpassen.

Aber dann kommen die Gemeinderäte mit so Sachen wie: „Man kann Äpfel nicht mit Birnen vergleichen“. Ja Leute, wenn wir beidem einen Wert in Geld zuordnen, dann vergleichen wir das doch schon! Nur dummerweise herrscht hier die Attitüde, dass Jugend und Subkultur eine Art Bonus sei. Irgendetwas, dass man den jungen Leuten halt so gönnt. Etwas, für das Platz ist, naja, wenn eben Platz ist. Aber das ist falsch. Wir sind nicht optional! Wir fressen nicht die Reste.

Während noch der Supermarkt in der Merzhauserstraße im Gespräch war, hieß es, das ADAC Gebäude sei ein Tabu. Das ArTik hat sich schon früh für diese Immobilie interessiert, aber von der Stadtverwaltung gab es immer ein klares nein. Plötzlich aber will die Stadtverwaltung, dass das ArTik so schnell wie möglich umzieht, und ein Monat später soll es wieder unmöglich sein, dort zu bleiben. Die Verwaltung ist hier mehr als nur inkonsequent und alles andere als transparent. Könnte es sein, dass sich einfach nur ein Mieter gefunden hat, welcher sich kommerziell lohnt und deshalb muss man das ArTik jetzt so schnell wie möglich wieder los werden? Ich habe hier schon angeführt, warum Kosten allein nicht der Grund sein können. Außerdem: Kennt man den Wert, dann zahlt man auch den richtigen Preis. Soviel Arbeitskraft wird im ArTik von Ehrenamtlichen geleistet, die keinen Cent bekommen. So viele junge Menschen werden hier motiviert, etwas zu kreieren, ihre Stadt zu gestalten und sich zu entfalten. Aber behandelt werden sie wie ein Spielball der Verwaltung, wie Zahlen auf einem Papier.

Ja, der demographische Wandel sorgt dafür, dass sich Politiker lieber um die Stimmen der älteren Mitbürger reißen und die Gentrifizierung drückt Subkultur aus der Innenstadt. Aber wir sind nicht länger die Generation Y, mit der man machen kann, was man will. Wir sind nicht unpolitisch, deswegen stehen wir hier. Und wir sind hier zuhause, also bleiben wir."

- Sergio Schmidt, Stadtrat für Junges Freiburg, JPG-Fraktion am 2.5.2016 vor dem Rathaus Freiburg.