Situation der Kitas in Freiburg

Antwortschreiben der Verwaltung vom 22.6.2016
Situation der Kitas in Freiburg

Sehr geehrter Herr Stadtrat Mörchen,
sehr geehrter Herr Stadtrat Schmidt,

die Fragen zur Situation der KiTas in Freiburg werden im Nachfolgenden für die städtischen Kitas beantwortet, da von den freien Trägern zu den Fragen keine Daten vorliegen. Die städtischen Kitas mit rund 1.650 Plätzen können hinsichtlich ihrer Struktur und Konzeption als repräsentative Einrichtungen in Bezug auf alle Freiburger Kitas gesehen werden.

Zum Thema: Personalmangel führt zu Ausfällen

1. Wie viele Tage fallen aus? Wie häufig werden Kinder wieder heimgeschickt?
 1.1. Bitte aufgliedern auf alle Kitas.
 1.2.Wie ist der Trend im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren?

2. Wie oft werden die Eltern darum gebeten, ihre Kinder, wenn möglich, zuhause zu lassen?
 2.1. Bitte aufgliedern auf alle Kitas.

Wie ist der Trend im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren? 

Bezogen auf die 20 städtischen Kitas konnten im laufenden Kindergartenjahr 2015/2016 in 10 Kitas zu jedem Zeitpunkt alle Kinder betreut werden. In den anderen 10 städtischen Kitas konnte ein Teil der Kinder tageweise nicht betreut werden, bzw. konnte die Betreuung nur mit einer verkürzten Öffnungszeit gewährleistet werden. In diesen 10 städtischen Kitas wurde im laufenden Kindergartenjahr 2015/2016 an durchschnittlich vier Tagen die Betreuung nicht vollständig gewährleistet. Die Anzahl der nicht betreuten Kinder liegt im Durchschnitt bei 11 Kindern pro Tag und Kita. Die Schließung von Gruppen muss erfolgen, wenn der vorgeschriebene Mindestpersonalschlüssel nicht gewährleistet werden kann. Dies ist bei kurzfristigen Krankheitsfällen von mehreren Fachkräften der Fall. Aktuell kann in den 20 städtischen Kindertageseinrichtungen von einer Vollbesetzung gesprochen werden, d.h. die Anzahl der unbesetzten Stellen bzw. krankheitsbedingten Ausfällen liegt unter 2 %. Das AKi geht davon aus, dass auch zu Beginn des neuen Kindergartenjahres alle Stellen besetzt sein werden.

3. Wie schnell laufen Bewerbungsverfahren?

Vom Zeitpunkt des Bewerbungseingangs bis zum Diensteintritt können bis zu acht Wochen vergehen, da an diesem Prozess unterschiedliche Ämter und Personen beteiligt sind. In der Regel ist die Fachabteilung der städtischen Kindertageseinrichtungen, der örtliche Personalrat des Amtes für Kinder, Jugend und Familie, die Personalabteilung des Amtes für Kinder, Jugend und Familie und das Haupt- und Personalamt an diesem Prozess beteiligt. Der Prozess der Bewerbungsverfahren wurde in den vergangenen zwei Jahren bereits deutlich optimiert und damit beschleunigt.

In den meisten Fällen wünschen die Bewerberinnen und Bewerber vor ihrer Zusage einen Hospitationstermin in den betreffenden Kindertageseinrichtungen. Darüber hinaus kann sich der Zeitraum vom Bewerbungseingang bis zum Dienstbeginn durch Kündigungsfristen oder den von den Bewerberinnen und Bewerbern gewünschten Dienstbeginn über die genannten acht Wochen hinaus verlängern.

4. Wie oft fallen ErzieherInnen krankheitsbedingt aus?
 4.1. Bitte aufgliedern auf alle Kitas.
 4.2. Wie ist der Trend im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren?

Für das Jahr 2015 bezifferten sich die Krankheitstage für alle 20 städtischen Kitas im Schnitt auf 26,31 Kalendertage (d. h. einschließlich Samstag, Sonntag und Feiertag) inkl. Rehamaßnahmen und 25,11 Kalendertage ohne Rehamaßnahmen (inkl. Auszubildende). Bezogen auf die städtischen Kitas liegen die Daten vor dem Jahr 2015 nicht vor.

5. Sind alle Kitas 100% an Personal gedeckt? Wie viele unbesetzte Stellen gibt es?
 5.1 Bitte aufgliedern auf alle Kitas.
 5.2 Wie ist der Trend im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren?

Aufgrund von Langzeiterkrankungen, Beschäftigungsverboten bei Schwangerschaft und Kündigungen sind aktuell in den städtischen Kindertageseinrichtungen 4,6 Vollzeitäquivalente (VZÄ) von rund 273 VZÄ nicht besetzt. In den 4,6 unbesetzten Stellen ist eine Ausbildungsstelle enthalten, die auf den Fachkräfteschlüssel mit 0,6 VZÄ angerechnet wird. Detaillierte Aufstellungen zu den vergangenen fünf Jahren liegen nicht vor.

6. Sieht die Verwaltung die Möglichkeit, SpringerInnen einzusetzen?

Für die städtischen Kitas gibt es einen "Springerpool" in einer Größenordnung von 2,6 VZÄ. In den städtischen Kitas werden jährlich bis zu 16 Auszubildende übernommen. Diese Stellen werden für die ersten Monate eines jeden Kindergartenjahres zusätzlich zum dem vom Kommunalverband Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) geforderten Mindestpersonalschlüssel bereitgestellt, bis die Personen im Lauf der Kindergartenjahres auf Planstellen umgesetzt werden. Durch die befristete Bereitstellung dieser Ressourcen sind hier zusätzliche Möglichkeiten der Krankheitsvertretung gegeben.

Zum Thema: Gleichzeitig Beitragserhöhung

1. Wie hoch ist der absolute Elternbeitrag in Freiburger Kitas im Vergleich zu den Umlandgemeinden?

Über die Elternbeiträge in den Umlandgemeinden liegen beim Amt für Kinder, Jugend und Familie keine Daten vor.

2. Wieviel macht der Elternanteil an den Gesamtkosten der Freiburger Kitas aus?
3. Gibt es eine Absprache mit den Umlandgemeinden über die Höhe der Deckung der Betriebskosten durch die Elternbeiträge? Wenn ja, wie lautet diese Vereinbarung?

Die Kirchen und Kommunalen Landesverbände in Baden-Württemberg haben im gegenseitigen Einvernehmen Vereinbarungen zur Gestaltung und Höhe der Elternbeiträge getroffen. Auch die Stadt Freiburg folgt in ihrem Kita-Fördersystem und der Elternbeitragsgestaltung diesen Empfehlungen. Schon seit Jahren empfehlen die Kommunalen Spitzenverbände, einen Kostendeckungsgrad durch Elternbeiträge von 20 % der Betriebsausgaben anzustreben. Um diesen Kostendeckungsgrad zu erreichen, haben die Kommunalen Landesverbände bereits für das Kindergartenjahr 2015/2016 eine Beitragserhöhung von 3 % und für das Kindergartenjahr 2017/18 von bis zu 8% empfohlen. Generell wird empfohlen, die Tarifsteigerungen entsprechend 
weiter zu geben. Die letzte Erhöhung der Elternbeiträge für Kindertageseinrichtungen in der Stadt Freiburg mit städtischen Beiträgen erfolgte zum 01.09.2013 mit 5 %. Bereits in 2014 betrug der Kostendeckungsgrad nur noch 17 %. Für das Jahr 2016 wird aufgrund des neuen Tarifvertrages in 2015 ein Kostendeckungsgrad von nur noch 15,6 % prognostiziert. Der aktuelle Tarifabschluss für 2016 mit 2,4 % und für 2017 mit 2,35 % lässt den Kostendeckungsgrad weiter sinken.Ohne die von der Stadt Freiburg geplanten Erhöhungsschritte zum 01.09.2016 und 01.09.2017 von je 6 % kann eine Annäherung an den Kostendeckungsgrad von 20 % nicht erreicht werden.

Zum Thema: Inklusion von Flüchtlingskindern in Kitas

1. Wie viele Flüchtlinge sind in KiTas untergebracht?
2. Wie viele können nicht versorgt werden?
3. Welche Maßnahmen führt die Verwaltung zur Inklusion von Flüchtlingskindern in KiTas durch?
 3.1 Braucht es zusätzliche Räumlichkeiten?
 3.3 Müssen hierfür zusätzliche Gruppen aufgemacht werden oder gibt es ausreichende Kapazitäten?

Im Zentralen Vormerkverfahren für Kindertagesplätze sind aktuell rund 142 Kinder mit Fluchterfahrung aufgeführt. 67 Kindern konnte bereits ein Platz in einer Kita vermittelt werden. Die für die Betreuung notwendigen Platzkapazitäten können nicht alle zeitnah bereitgestellt werden. Die freien Träger unterstützen die Stadt bei der Schaffung zusätzlicher Plätze im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Als kurzfristige Lösungen wurden beim Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden (KVJS) bereits Anträge zur Ausweitung der Gruppenstärke sowie zum Aufbau von Kleingruppen in Mehrzweckräumen gestellt und genehmigt. Es liegen aktuell Angebote der städtischen Einrichtungen zur Bereitstellung von 50 Plätzen und der freien Träger zur Bereitstellung von 82 Plätzen in 2016 vor. Die Realisierung der Angebote ist jedoch abhängig von der Genehmigung durch den Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden (KVJS) und der Gewinnung von Fachpersonal. Ein Schreiben, das die entsprechende Anfrage beinhaltet, wurde bereits an die Landesregierung versandt. Für die Inklusion von Kindern mit Fluchterfahrung ist es wichtig, dass die Betreuung in heterogenen Gruppen erfolgt. Deshalb müssen zusätzliche Plätze geschaffen werden, die auch für Eltern attraktiv sind, die aus Freiburg stammen bzw. bereits länger hier wohnen.Herr Prof. Jerg von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg wird das Thema Frühkindliche Bildung und Inklusion in Kitas in einem Schreiben an das Kultusministerium aufgreifen, das auch von städtischer Seite unterzeichnet werden soll.

3.2 Werden personelle Maßnahmen ergriffen? Z.B. zusätzliche Stellenausschreibungen?

Die Inklusion von Kindern mit Fluchterfahrung ist nur mit zusätzlichen personellen Ressourcen gut zu bewältigen. Deshalb bemüht sich das Amt für Kinder, Jugend und Familie zurzeit zusätzliches Personal zu gewinnen, u. a. durch Stellenausschreibungen.

4. Welche Hürden gibt es in diesem Zusammenhang?

Die Herausforderung besteht darin, in kürzester Zeit die notwendigen Räumlichkeiten zu schaffen bzw. bestehende Räumlichkeiten optimal auszunutzen und gut qualifiziertes Fachpersonal zu finden.

Mit freundlichen Grüßen
(G. Stuchlik)
Bürgermeisterin