Wir müssen mehr Wohnraum entwickeln!

Sergios Rede zum Thema Neue Wohnbauflächen
Wir müssen mehr Wohnraum entwickeln!

Guten Tag liebe Anwesenden,

vielen Dank an die Verwaltung und die Projektgruppe neue Wohnbauflächen für diese Vorlage und ihre zielstrebigen Arbeit an einem von Freiburgs größten Problemen: Dem hochpreisigen Wohnungsmarkt. Wir von JPG unterstützen ausnahmslos alle aufgeführten Flächen und sehen die Chance, nicht nur für eine Erweiterung, sondern auch für eine Entwicklung verschiedener Quartiere.

Die hohe Nachfrage nach Wohnraum ist mit Sicherheit ein großes Lob an Freiburg. Die Stadt ist beliebt, und sie ist beliebt, weil sie schön ist und sie ist schön, weil sie Vielfältig ist. Hohe Mietpreise könnten jedoch zum Ausschlusskritierium für Bürgerinnen und Bürger werden. Nicht nur für jene, die neu in unsere Stadt ziehen, sondern auch für diejenigen die hier schon lange Leben. Da unser Ziel mit Sicherheit nicht sein darf, die Attraktivität Freiburgs zu verschlechtern, um die Nachfrage nach Wohnraum zu verringern, bleibt uns nur eines: Wir müssen das Angebot verbessern, wir müssen mehr Wohnraum entwickeln!
Tatsächlich sind die Mietpreise von Neubauwohnung in der Regel vorerst höher, als die von bereits lange bestehenden Wohnungen. Klar ist, es dauert Jahrzehnte, bis wir so viel Wohnraum geschaffen haben, dass sich der Markt wieder entspannen kann, weil die Mieter nicht mehr in Konkurrenz zueinander stehen. Damit wir dennoch genug bezahlbaren Wohnraum in Freiburg schaffen können, muss die Regel von 50% gefördertem Mietwohnungsbau konsequent eingehalten werden. Nur auf diese Weise werden wir auch auf kurze und mittelfristige Sicht in einer bezahlbaren Stadt, einer Stadt für alle leben können.

Freiburg lebt vom Zuzug und Freiburg lebt von seinem guten Ruf. Damit wir Platz für das Erste schaffen können, ohne dem Zweiten zu schaden ist es unausweichlich, Wohnraum zu schaffen, aber mit stetigem Blick auf den Erhalt von Freiräumen und Grünflächen. Sprich, wir müssen unsere beschränkte Fläche optimal nutzen, und das geht nur mit Geschosswohnungsbau! Wenn wir nicht in der breite Fläche versiegeln wollen, dann müssen wir höher Bauen. Bislang hatte man das Gefühl, in Freiburg sei Geschosswohnungsbau eine Art Sakrileg. Wir ermuntern die Stadtverwaltung, bei voranschreitender Planung der neuen Flächen mutig in die Höhe zu experimentieren, damit wir auf diese Weise Freiburger Flächen in der Breite schonen können, und stetigem Versiegeln von Erholungsflächen in der Zukunft schon jetzt entgegenwirken können ohne unsere Pflicht zur Schaffung neuen Wohnraums zu vernachlässigen.

Die möglichen Veränderungen im eigenen Stadtteil lösen bei manchen Bürgervereinen Ängste aus. Diese Ängste können zu einem eingeengten Blickwinkel und somit zu einer Ablehnung führen. Als Interessenvertreter dieser Bürgergruppen positionieren sich zwei Bürgervereine gegen die Entwicklung der städtischen Flächen. Als Gemeinderat ist es unsere Aufgabe, diese Stimmen einzufangen und abzuwägen gegenüber der gesamtstädtischen Situation. Wer dies tut, muss zu dem Schluss kommen, dass die weitere Entwicklung der ProWo-Flächen für Freiburg als Stadt nicht nur vorteilhaft, sondern notwendig sind.

Ich bedanke mich an dieser Stelle auch bei den Bürgervereinen Zähringen, Vauban und Stühlinger für ihr konstruktives Mitwirken zur Ausarbeitung der ProWo-Flächen und versichere ihnen, dass die in der Vorlage genannten Sorgen im Hinblick auf Lärmschutz und Freiraumqualität bei uns Gehör finden und JPG gleichzeitig auf die Kompetenz des Baudezernats in Sachen Lärmschutz vertraut. Zu dem Thema Kleingärten möchte ich ehrlich sein und ihnen sagen, dass Kleingärten als privater Freiraum meiner Meinung nach einen niedrigeren Stellenwert als Wohnraum und öffentlicher Freiraum haben. Dennoch soll für einen Teil der Kleingärten nach Bundeskleingartengesetz ein Ersatz gefunden werden und auch wenn eine Umsiedlung sicher nicht dem Herzenswunsch der Kleingärtner entspricht, denke ich, es ist eine faire und notwendige Lösung für diesen Konflikt.

Ich möchte auch auf einige Sorgen eingehen, welche die Fläche Mooswald-West betrifft. Die klimarechtlichen Bedingungen werden in Gutachten abgeklärt und Ersatzflächen geschaffen, wir vertrauen in diesen Belangen der Stadtverwaltung und den zuständigen Gutachtern. Den Lärmschutz sehen wir auch in dieser Fläche als essentiell an. Die Stadtverwaltung soll hier verschiedene Varianten der Lärmreduzierung prüfen. Wir von JPG denken zum Beispiel an Lärmschutzmauern, Flüsterasphalt oder auch eine Reduzierung von Fahrgeschwindigkeit. Uns ist Lärmschutz besonders wichtig, denn wir befürchten das günstiger Wohnraum hier genutzt werden könnte, um den dahinterliegenden teureren Wohnraum vor Lärm zu schützen. Damit dies nicht eintrifft, erwarten wir von der Stadtverwaltung ein wasserdichtes, oder soll ich sagen, schalldichtes Lärmkonzept.

Abschließend möchte ich der ProWo, bzw. im Hinblick auf den Perspektivplan, der Stadtverwaltung eine erneute Betrachtung der Günterstäler Wiesen ans Herz legen. Auch diese Fläche liegt in städtischer Hand und ist von den dort zu begegnenden Schwierigkeiten vergleichbar mit den hier genannten Flächen. Deshalb sehen wir auch in dieser Fläche großes Potential, Freiburg städtebaulich voran zu bringen!

Redebeitrag von Sergio Schmidt (Junges Freiburg) zum Thema Neue Wohnbauflächen, gehalten in der Sitzung des Freiburger Gemeinderates am 18.10.2016.